Bestattungsrituale

#1 von Klaus Pfahl , 22.11.2010 11:41

Der letzte Sonntag des Kirchenjahres heißt bei den Katholiken "Christkönigstag", bei den Protestanten "Totensonntag". An diesem Sonntag erinnern sich die evangelischen Christen der Verstorbenen.
Das möchte ich einmal zum Anlass nehmen um über Bestattungsrituale nachzudenken.

In Mitteleuropa wurden bis ins 8.Jahrhundert Verstorbene eingeäschert und anschließend in einer Urne bestattet. Mit Karl dem Großen und der Verbreitung des Christentums wurde diese Art der Bestattung als unchristlich verboten. Künftig wurden die Verstorbenen in einen Sarg gelegt und auf dafür vorgesehene Friedhöfe beigesetzt. Verbrannt wurden nur die sterblichen Überreste von Ketzern und Opfern der Inquisition.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewann die Feuerbestattung immer mehr Anhänger. 1934 entstanden in Deutschland die ersten Gesetze, durch die die Feuerbestattungen umfassend geregelt wurden. Fortan waren Feuer- und Erdbestattung grundsätzlich gleichgestellt. Heutzutage werden in Europa rund ein Viertel der Verstorbenen kremiert.

Für Erdbestattungen ist es aus hygienischen Gründen zwingend notwendig Verstorbene auf dafür vorgesehene Friedhöfe beizusetzen. Das Gleiche gilt auch für Urnen mit der Asche. Die Urne mit den Aschenresten eines geliebten Verstorbenen in der Wohnung aufzubewahren oder im eigenen Garten beizusetzen, ist in Deutschland nur mit juristischer Kreativität und ein wenig Zivilcourage möglich.


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

Honoré de Balzac

 
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RE: Bestattungsrituale

#2 von Isis ( gelöscht ) , 22.11.2010 12:54

Die Gebühren für eine Grabstelle steigen nach und nach bis ins Unerschwingliche. Für die verschuldeten Gemeinden ist der Tod eine sichere Einnahmequelle. Selbst für sogenannte "Friedwälder" müssen für eine kleine Grabstelle unter einem Baum mehrere tausend € bezahlt werden. Das ist Abzockerei. Ich würde immer nach einem Weg suchen, die Urne in unserem Stadtpark an einer schönen Stelle unterzubringen.


Wer Stroh im Kopf hat, fürchtet den Funken der Wahrheit.

Isis

RE: Bestattungsrituale

#3 von Hans ( gelöscht ) , 22.11.2010 17:40

FriedWald-Bestattungen sind genau so teuer in bevorzugter Lage sogar noch teurer als auf einem Friedhof. Für einen Baum in erster Lage kann so ein kleines Urnengrab, das zeitlich auf 30 Jahre beschränkt ist, schon über 6000 € kosten.
http://www.friedw.de/Preise.AxCMS

LG
Hans


Hans

RE: Bestattungsrituale

#4 von Gast ( Gast ) , 02.12.2010 19:30

Lustiges Weihnachtsthema!
Grusel!

Gast

RE: Bestattungsrituale

#5 von Klaus Pfahl , 03.12.2010 18:13

Zitat von Gast
Lustiges Weihnachtsthema!
Grusel!



Auch zur Weihnachtszeit wird gestorben. Das ist doch ganz normal.
Vor ein paar Wochen war ich zu einer Beerdigung eines Bekannten, der an Krebs verstorben war. Zum Entsetzen aller Trauergäste wurde bei der Trauerfeier das Lied von Andrea Berg (du hast mich tausend Mal belogen....) abgespielt.


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

Honoré de Balzac

 
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RE: Bestattungsrituale

#6 von Isis ( gelöscht ) , 03.12.2010 18:51

Die bedauernswerte Witwe wird wohl ihren Grund dazu gehabt haben.


Wer Stroh im Kopf hat, fürchtet den Funken der Wahrheit.

Isis

Friedhöfe werden immer leerer

#7 von Scheinheilige ( gelöscht ) , 12.06.2011 18:43

Bedauerlicherweise ist der Bedarf an Friedhofsflächen für die traditionelle christliche Erdbestattung in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Die Folge davon: Es entstehen unregelmäßig belegte Grabfelder mit vielen ungenutzten Splitterflächen, die aufwendig zu pflegen sind und die zusätzlich einen viel höheren Verwaltungsaufwand bedürfen. Daher steigen die Kosten für die Bestattung eines Toten und für die Unterhaltung einer Grabstätte enorm an.


Scheinheilige

RE: Friedhöfe werden immer leerer

#8 von Klaus Pfahl , 03.07.2013 17:16

Heute stand bei uns in der Zeitung, dass in Deutschland darüber entschieden wird, dass künftig Urnen mit nach Hause genommen werden dürfen.


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

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RE: Friedhöfe werden immer leerer

#9 von Schiffskatze , 03.07.2013 18:20

Zitat von Blitz im Beitrag #8
Heute stand bei uns in der Zeitung, dass in Deutschland darüber entschieden wird, dass künftig Urnen mit nach Hause genommen werden dürfen.



Wirklich? Das wär ja prima, wenn sich das durchsetzen liesse, das die Urne im eigenen Garten begraben werden dürfte.
Den Bestattungsunternehmen gefiele das mit Sicherheit nicht. Die werden kämpfen, dass das Bestattungsgesetz so bleibt wie es ist - nämlich Friedhofszwang.


 
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RE: Friedhöfe werden immer leerer

#10 von Klaus Pfahl , 03.07.2013 18:47

In dem Gewerbe wird abgezockt ohne Ende, und die Hinterbliebenen bezahlen und schweigen aus Scham. Bremen macht, glaube ich, den Anfang. Leider wird es keine bundesweite Regelung geben.

http://www.radiobremen.de/wissen/dossier...fszwang100.html


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RE: Friedhöfe werden immer leerer

#11 von kritisches_Auge , 06.07.2013 13:55

Ich könnte mir keinen Grund vorstellen, der dagegen spricht, dass Urnen mit nach Hause genommen werde können, keinen hygienischen, keinen moralischen, keinen.

 
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