Aus stummers Graffl-Kasterl

#1 von stummer ( gelöscht ) , 12.08.2010 11:54

Hallo –


hier deponiere ich einige Bruchstücke aus meinem Graffl-Kasterl. Warum?
Nun es sind Buchstaben, die literarische Kriterien nicht erfüllen können.

Und was mir am Herzen liegt, mag für andere völlig bedeutungslos sein.

… jo mei … ich fange halt einmal so an:

Die Schöngutheit bewegt sich in einer Region, zu der die Wortsprache keinen Zutritt hat.

Replik der sehr verehrten Wortsprache:
>> Was weißt du schon, stummer? <<

stummer (g´schamig):
>> Bitt´schön - was ist „Wissen“? <<

Wortsprache (lächelt mild-überlegen und entgleitet mir, stummer, völlig).

stummer (am Boden der Himmelwärtsfahrenden nachblickend):
>> ... jo mei ... <<

Bei der Gelegenheit liegt mir noch etwas am Herzen:


Sehr geehrtes „jo mei“ –


omeiomei, was schreibe ich denn da ...

Liebes „jo mei“ –


Du weißt ja, dass es Menschen bzw. Situationen gibt, die Du zur Verzweiflung bringen kannst ... was aber nicht Deine Schuld ist! Vielmehr liegt das an meiner Unzulänglichkeit!

„... jo mei ... so geht das doch nicht, stummer ...“

Also, dritter Versuch:

Liebes, ins Herz geschlossene „jo mei“ –

Danke, dass es Dich, welches Du über alle weltanschaulichen und regionalen Engherzigkeiten erhaben bist, gibt!

Danke, dass Du mir im Hochgefühl gefühlter Gesundheit und Vitalität aufzeigtest und aufzeigst, wie im nächsten Moment unmittelbar Tod, absolute Hilflosigkeit den Menschen umfangen.
Vielleicht einen Menschen, der stolz war auf seinen Intellekt, seine Herkunft, seine Bildung, seine Leistungen usw.:
... und der nun zum Intensivpflegefall wird, unfähig zu geregelten Miktion und Defäkation, ohne Denk- und Sprachvermögen ...
... und jetzt liebevoll umsorgt wird von einem anderen Menschen, den jener in seiner gesunden Zeit aufgrund seiner Herkunft, seiner Sprache usw. zutiefst verachtet hätte.

Danke auch dafür, als Du mir in folgender Situation zur Seite standest:
Ein kompetenter Mann und eine kompetente Frau (K) zu mir, einem inkompetenten, philologisch unterbelichteten stummen (s), der damals gelegentlich sprach:

K: „Herr ..: Hebräisch bitt´schön – ned boarisch ...“

s (höchst verlegen und beschämt): „.... jo mei ...“

K (unisono), lächelnd: „ ...jo mei, eahna reißt zweng dem koaner an Kopf ab ...“

oder (viel später) auch hier:

NMR-Gerät „spinnt“, ein G´frett ... tagelange Reparaturversuche, durchgewurschtelte Nächte... dann, an einem Morgen in der Frühe, wende ich eine Notfalltechnik an:
... ein herzhafter Faustschlag ... jo mei .. was soll ich sagen ... das Ding funktionierte plötzlich und funktioniert immer noch! ... jo mei ...

Warum? .... ???? ... jo mei ...

Übrigens wurde ich bei der Kampfsporteinlage ertappt. Stumm durchfuhr mich ein ... ja, was wohl? ... ein jo mei ...

Ein später anwesender Chemiker rätselte dann noch über jenes Gerät und dessen Verhalten, lehnte sich dann aber bequem im Stuhl zurück und grummelte zufrieden.
„Jo mei – is eh wurscht, Hauptsache, das Monster funktioniert wieder ...“

Jo mei, liebes jo mei, was müsste ich noch zu Deinem Lobpreis, zu Deiner inhaltlichen und emotionalen Fülle anführen – aber das ist in Dir nie:

Nämlich Überheblichkeit und Stolz.

Da fällt mir noch in:
„Jo mei ...!“ sagte mir ein katholischer Priester ... nachdem er u.a. angemerkt hatte:
„Wenn es nach der offiziellen Lehre ginge, würde an den Kommunionsbänken gähnende Leere herrschen – und bei mir würde man auch Gründe zur Exkommunikation finden ...jo mei ...“

Übrigens:
Damals, als „Sprechender“ war ich Zeuge einer hitzigen Debatte zwischen Raucherinnen, Rauchern und Nichtraucherinnen, Nichtrauchern.

Schließlich fragte man mich (Nichtraucher), was ich dazu meinen würde:
Nun – ich entgegnete: „Jo mei, es gibt wohl sicher gesündere Sachen als Rauchen ...“

Bei der Gelegenheit wollte niemand sonst ein Eis.
So blieb es an mir, das (sehr schmackhafte) Vanille-Bourbon-Eis zu verinnerlichen – eine Familienpackung von 1,5 kg Inhalt.

Ob das gesund ist?

… jo mei ...


Danke und Pfiati, liebes jo mei

stummer [Apostat (CIC can 751)]


Ideologien sind die Rauschgifte nicht nur des Volkes.
Ein gefährliches Vorurteil? Zu meinen, ich hätte keine Vorurteile!
„Was Paul über Peter sagt, sagt mehr über Paul als über Peter“ (Spinoza sinngemäß).
Traduttore traditore! / S = k logW

stummer
zuletzt bearbeitet 12.08.2010 11:54 | Top

Der unbestiegene Berg

#2 von stummer ( gelöscht ) , 12.08.2010 11:56

Hallo –


es gibt da einen Berg, den noch niemand bestiegen hat.
Nicht etwa, dass es an Versuchen fehlte und fehlt – das nicht!

Wie dem auch sei:
Eigentlich ist jener Berg ein riesiges Bergmassiv mit mehreren Gipfeln, auf denen noch nie ein Mensch stand.

Dieses Massiv aber ist umgeben von vier Tälern, deren Bewohner entweder mehr oder weniger lahm, blind, taub, geruchlos sind oder gar mit mehreren dieser Einschränkungen leben müssen.

Sie selbst indes fühlen und erleben sich voll beweglich, gut sehend und hörend und mit feiner Nase versehen.

Jedoch unterscheiden sich Gäste und Fremde in dieser Hinsicht in keiner Weise von den Einheimischen.

Dann vermarkten auch einige telegene und eloquente Menschen jenen Berg.

Teilweise machen sie das so geschickt, glamourös und medienwirksam, dass man den Eindruck haben könnte, jene Marketingstrategen und Repräsentations-Fachleute würden den Berg kennen, ja hätten ihn sogar insgeheim schon bestiegen.

Diese Aura verstärken jene – man nennt sie so – Spezialisten nicht selten mit einem süffisant-elitärem Auftreten.

Das weltläufige Blitzlichtgewitter, lautes Klatschen, elegante Abendroben geschminkter und recht mondäner Damen und sehr auf ihr Äußeres bedachte Herren verfehlen ihre Wirkung nicht:

In diversen Konferenzen, Talkshows und anderen spektakulären Veranstaltungen mit selbstschmeichelnder Wirkung wird der Nimbus von Wissenden und Erfahrenen aufgebaut.

Was ist aber nun mit jenem Berg?

Er ist immer noch unerstiegen. Immer noch meinen die Bewohner und Gäste jener vier Täler, jener Berg sehe nur so aus, wie sie ihn sehen. Berichte aus anderen Tälern werden als unglaubwürdig verlächelt , verspottet oder ganz ignoriert.

Fehlfarbene Menschen indes halten sich fern von Applaus und öffentlichen Veranstaltungen … es sind übrigens Bergsteiger, die verinnerlicht haben: Niemals kennt man einen Berg – auch nicht einen erstiegenen.

Und angesichts von Gebirgsgruppen, Kontinenten und dem Blick aus dem Weltall verstummen sie.

Indes bin ich stummer Fehlfarbener derart stumm, dass ich mitnichten für anderer Stumme sprechen kann.
Ein Verstummender wurde ich … ohne im Weltall gewesen zu sein.


Mit herzlichen Grüßen

stummer


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stummer

Der Besuch dreier Höhergestellter

#3 von stummer ( gelöscht ) , 12.08.2010 11:57

Hallo –


eines Tages, auf einer Wanderung, kam ein angesehener Würdenträger mit einem mitgläubigen Paar an einer abseits gelegenen, armseligen Hütte vorbei.

Der Würdenträger und jenes Paar rümpften verächtlich die Nase, doch sie hatten Durst.

So also trat man durch die offene Tür der Behausung. Drinnen fanden sie einen Bewohner vor, der nicht sprechen konnte.

Die unerwarteten Gäste überwanden nur mühsam ihren Ekel vor diesem Individuum, welchem mittels Zeichensprache befohlen wurde, ein Getränk für die Höhergestellten zu beschaffen - denn auch über das Privileg des Stolzes der Wortsprache verfügte der Einheimische nicht.

Indes hatte der stumme Bewohner nur Wasser oder eine letzte Flasche Weißbier anzubieten.

Die drei Personen aber lehnten brüsk ab. Das war ihnen zu vulgär.
Schließlich sind sie Wissende, welche ansonsten in prunkvollen Palästen residieren und auch in den Höheren Dingen der Spiritualität und der Wortsprache bewandert sind – wobei natürlich der Würdenträger auf einer noch höheren Stufe sich wähnt, was freilich so nicht formuliert, vielmehr als „Dienst“ u.a. deklariert wird.

Doch da fiel den Wissenden auf, dass – inmitten dieser unwürdigen Umgebung – ein interessantes Kruzifix hing.

Der wissende Würdenträger – beklatscht von dem auf seine Art nicht minder glaubensstolzen Paar - machte der unwissenden, stummen, kleingeistigen, sprachlosen und verwahrlosten Person klar, dass dieses Kruzifix wahrlich ein besseres Ambiente und kompetentere Betrachterinnen und Betrachter verdiene.

Und siehe da:
Bereitwillig gab der unkultivierte Kerl dem Würdenträger das Kruzifix!

Grußlos eilte der Wissende und das wissende Paar mit dem Kruzifix davon.

Der Stumme indes verließ seine Hütte, plötzlich schien es ihm, als wollten die Sonnenstrahlen mit ihm tanzen, sang nicht der Wind mit feiner Stimme ein rätoromanisches Lied in der Sanftmut und schier unendlichen Güte trostreicher innerer Traurigkeit, die nur von einem wahrhaft großen äußeren Stille kommt, derer man sich nicht brüsten kann, weil sie geschenkt ist?

Und dazu rief ein Murmeltier boarisch:
„... stummer ... schaug eini, du Schlafhaubn ...“

Und in der Tat:
Ein Sonnenstrahl fiel auf die Stelle, wo einst das Kruzifix hing.

Wie verzaubert und wie in Trance ging der stumme Mensch auf jenen Ort zu.

An der dort aufgehellten Wandstelle schien ein Loch zu sein. Der kurzsichtige Bewohner ging näher heran:
Nein! Es war ein Schloss, das zu einem Schlüssel passte, mit dem der stumme Mensch bislang nichts anfangen konnte.

Wild pochte sein Herz, als er öffnete.

Was dann zum Vorschein kam, war vergilbtes Papier, welches mit Noten beschrieben war .... Musik .... wortlos ... wahrhaftig ... bescheiden in der Wahrheitsfrage ....

Ach so, Verzeihung!
Dieser Notentext ist natürlich minderwertig im Hinblick auf die Ansprüche wissender Würdenträger und glaubensstolzer Paare jedweder Provenienz – nicht nur römisch-katholischer oder atheistischer ...

„... jo mei ...“

So also – bei einer fernen Fronleichnamsprozession - grüßte der fremd-einheimische Außenseiter stumm und freundlich hinüber, nicht dazugehörend, andersdenkend und -fühlend, in der Distanz des Bewusstsein um das Trennende, das nicht in Regionen und Personen begründet liegt - ohne Feindseligkeit.

Freilich interpretierten und interpretierten dies auch vorbeikommende atheistische Würdenträgerinnen und Würdenträger und deren Mitgläubige ohne G..tt dies u.a. als Schwäche, Dummheit usw.

Welch ein Schulterschluss zwischen „rechts“ und „links“, „gläubig“ und „ungläubig“ ....

Denn:
Wer vernimmt schon stumme Stimmen in lauter, stolzer fff-Zeit?

... jo mei ... schwoab mers obi ... ich habe damit keine Probleme mehr ... leben und leben lassen, klotzschädelig-boarisch-stur im adagio sostenuto molto semplice e cantabile ppp verharrend ... ohne Stolz, ohne Überlegenheitsgefühl, u.a. auch deshalb:
ich, stummer, konnte und kann - leider - auch ganz anders ...: denn wie war und ist das mit den „farbigen Metaphern“ usw. ?


Mit freundlichen Grüßen

stummer
.. jo mei ... ich Schlamper ... da sind ja (gefüllte) Weinflaschen im Keller ... ich stolpere, stoße wilde {hier zensierte} stumme Flüche aus ...


Ideologien sind die Rauschgifte nicht nur des Volkes.
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stummer

Von Engerln, Flugübungen u. a.

#4 von stummer ( gelöscht ) , 12.08.2010 11:57

Hallo –


auch diese Zeilen verzapfe ich als Apostat (gem. can 751 CIC usw.) und G..ttsucher.
Ich weiß nichts von G..tt. Meine Ergüsse führe ich ausschließlich auf meine menschliche Beschränktheit und Voreingenommenheit zurück - und auch meine vagen Ahnungen hinsichtlich dessen, was G..tt sein könnte.

Ich war und bin nämlich u.a. wie ein vertrottelter, unseriöser Lokomotivführer mit seiner verspäteten Dampflok, aber ohne Waggons und ohne autorisiertes Bahnbetriebswerk.
So stoße ich zunächst, mit der Lok behäbig schnaubend, eingebunden in einen anarchisch-geordneten Fahrplan ohne Uhrzeit, dies aus:

>> Der Pfarrer betroffen: "Mein Sohn, ich fürchte, wir werden uns nie im Himmel begegnen..."
„Nanu, Herr Pfarrer, was haben Sie denn ausgefressen?" <<

[ Quelle:
http://www.christenn.de/glaubenswelten/h...melhoelle2.html ]

Jetzt dampfe ich ein bisserl weiter, allerdings nach wie vor als Un(ein)geweihter - unter den mehr oder weniger schrillen Anathempfiffen der ordentlichen, also rechtgläubigen Fahrdienstleiterinnen und Fahrdienstleiter.

Schließlich lasse ich mich auf ein abgelegenes Abstellgleis leiten, verlasse die Lok und nutze die entstandene Muße mit einer kleinen Geschichte.

Die darstellenden Personen sind:
Christliche G..tteswissende, ein Unbekannter, ein Aussätziger und ein gelähmter stummer Außenstehender (= ich, stummer, ein troll, der nichts von G..tt weiß).

G..tteswissender zu einem Unbekannten:
„Glauben Sie. dass Jesus von Nazareth der Sohn G..ttes, der Christus ist“?

Unbekannter:
„Wie bitte? Was meinen Sie?“

G..tteswissender:
(Er stellt sich selbstsicher als den Vertreter des rechten Glaubens dar.)

Unbekannter:
„Wie bitte ...?“

Da kommt ein humpelnder, furchtbar entstellter Mensch des Weges. Niemand spricht mit ihm, alle meiden ihn.
Der G..tteswissende ist unvermittelt verschwunden.

Was ist mit mir, stummer, dem Außenstehenden?
Nun - ich kenne weder den Unbekannten, noch den Aussätzigen, noch den G..tteswissenden.
Bei meinem Fluchtversuch überfällt mich eine seltsame Lähmung.
Ich ahne nur (mehr als mir lieb ist): Meine Lähmung ist mein komplettes Versagen, meine persönliche Schuld. Ich nenne es Sünde.

Der Unbekannte indes grüßt den Aussätzigen freundlich, gibt ihm zu trinken und zu essen.

Nun aber fragt der Unbekannte den Aussätzigen, das, was er vorher gefragt wurde:
„Glauben Sie eigentlich. dass Jesus von Nazareth der Sohn Gottes, der Christus ist?“


Wie aus der Pistole geschossen, voller wütender Verzweiflung, entfährt es dem Angesprochenen:
„Nein! Nein! Nein!“

„Warum nicht?“

Zornentbrannt meint da der Aussätzige:
„Ich schaue doch in die Welt ... Nächstenliebe - wenn ich das schon höre ... Hohn, Häme und Hass umgeben mich ... hochmütiger Richtgeist im Namen höchster Wahrheiten erwürgt alles Lebendige und das, was stolzierend lebt, ist das hektisch-aktivistische Toben des Mördertums ..... und Ihnen vertraue ich auch nicht! Bleiben Sie mir vom Leibe - niemand kommt mir nahe! ... warum kommen Sie mir so nahe! ... was für ein Monster sind Sie? Verschwinden Sie endlich! Feindesliebe .... LÄCHERLICH, LÄCHERLICH, LÄCHERLICH ...!“

In entsetzlichen und schmerzerfüllten Krämpfen bricht der Aussätzige schließlich zusammen und fällt in eine tiefe Ohnmacht.

Und ich bin immer noch gelähmt.

Der Unbekannte aber murmelt nur: „Was sind schon Titel und Bekenntnisse!“ - und verbindet die Geschwüre des Schlafenden.

Auch mir wird der Unbekannte unheimlich. Und so frage ich ihn nicht, wer er ist ... wie denn auch, ich bin ein stummer troll ... Bilde ich mir das Gefühl einer Hoffnung nur ein? ...

Der Unbekannte geht weg. Da - meinem stummen Mund entfährt ein „Wer ...?“.

Der Unbekannte ist inzwischen außerhalb meiner Sichtweite.

Da kommt der G..tteswissende zurück, selbstsicher wie immer, heilsgewiss wie immer.

Mein Herz aber wird umklammert von einer bleiernen Kälte, alle Hoffnung schwindet wieder.

Doch was ist das?

Ein zweiter G..tteswissender - ebenfalls Christ - tritt auf den Plan, und da ... eine ganze Gruppe von christlichen G..tteswisserinnen und G..tteswissern taucht auf - säuberlich sich abgrenzend in prächtigen Farben, im schillernden Prunk des „Ich aber bin die Schönste und Edelste! Ich allein die wahren Farbe!“
Nur grün sind sie einander überhaupt nicht.

Doch ich bin ein außenstehender, stummer, wenn auch bedeutungs- und einflussloser, Antichrist ( gem. z. B. mancher evangelikaler Auslegung von 1 Joh 2, 22).

Indes bekenne ich - wenn auch auf „falsche“ bzw. apostatische, nicht autorisierte Art - durchaus Jesus, so wie ich eben als Nichtjude und Nichtchrist einem großen jüdischen Menschen mit seiner glühenden G..ttes- und Nächstenliebe meine aufrichtige Anerkennung und tiefen Respekt zolle.

„Das ist mir zu seicht, stummer! … „Wenn Sie das so sagen, dann ist das nicht nur Häresie - es ist Apostasie! …“

Ordnung muss sein!

„ ... stummer, du Antichrist! ...“

Hastig möchte ich entgegnen, dass ... ach so - ich bin ja stumm.

„Ich auch!“ vernehme ich da plötzlich eine helle, aber keineswegs schrille Frauenstimme, in der ein anrührendes melancholisches Lächeln liegt.

Diese Stimme fährt dann - später, in einer katholischen Kirche in Oberbayern, unweit der Grenze zu Tirol - auf Hebräisch fort mit Gen 9,1-17 und Dtn 6,4 f., wie mir ein kindlicher Altarengerl mitteilt und dann noch verrät:
„Woasch, stummer, i mog die Fremde. Sie mog mi a und isch mir ned bös, a wann i a Schweiners ess, haut´s mi ned zum Tuifi ...“ [/i]
Dies aber ein kommentiert ein anderes Engerl so: „Geh, sei staad - wous soll´n die Vegetarier denken!?“
„Isch guat - mei du Saubär, du zuzzelst dei Weißwurscht ja wiara Mensch, du Vegetariergspusi“

Die hebräische Stimme singt ein Lied.

Es sei jedoch auch hier betont:
Ich respektiere Schutzzäune und werde im Hier und Jetzt für jede Religionsgemeinschaft Außenstehender bleiben, nicht dazugehören.

In jener katholischen Kirche nun wurde ich Zeuge eines weiteren Gesprächs zwischen anderen Altarengeln, es müssen wohl „Zuagroaste“ sein:

„Sagen Sie mal, Kollege, verstehen Sie eigentlich die kirchliche Trinitätstheologie von den Herrschaften da unten, ich meine so richtig mit allen Schikanen und christologischen Implikationen?“

Nach einem längeren Zögern kommt die Antwort:

„ ... äh ... eigentlich ... nun ja ... eigentlich schon ....“

Eine dunkle Wolke draußen verdunkelt auch das Kircheninnere.

Da meint der Gefragte hastig: „Nein, ehrlich gesagt, ich verstehe gar nichts!“

Prompt wird es heller.

„Hihihihihihi“ ... ein Kinderstimme ist zu hören. Sie stammt von der Putte (mit Flügel übrigens) namens „Spatzl“ (und es wird noch heller): „Mei, deis isch doch gånz oafach mit derer Dreifaltigkeit!“

„Ach nein - was du nicht sagst.... na, dann kläre uns doch mal auf, du Dreikäsehoch!“

Mit einem „Was ist denn hier los?!“ erscheint nun der Erzengel Michael.

„Dieser vorlaute Fratz will uns gestandenen Engeln die kirchliche Trinitätslehre bzw. deren Theologie erklären!“

Zunächst murmelt der Erzengel Michael etwas auf Hebräisch. Dann meint er: „Ja, ja, das mit der Dreifaltigkeit würde ich auch gerne verstehen, meine Herren!“
Und er fährt, mit einem schelmischen Lächeln an die Putte gewandt, fort: „Spatzl, du bischt dran!“

„Hihihihihihuahuahuahuahiiiihihihi .. jo mei...sog i do: es isch gånz oafach: Nix Genaues woaß ma ned! Hhihihihi ...“
Spatzl kramt einen Zettel hervor und - mittlerweile hat die Putte ihren Lachanfall unter Kontrolle - bittet dann den Erzengel mit einem treuherzigen Augenaufschlag:
„Geh Micherl, les vor, bitt´schön!“

Erzengel Michael räuspert sich würdevoll, überfliegt zunächst schweigend den Text, hüstelt dann verlegen und auf abständig-anteilnehmende Art befremdet. Jetzt aber schnauft er durch und trägt dann auf Lateinisch etwas vor, was schließlich endet mit
„ .... nulla probatio“ (= kein Beweis).*

„Nun, meine Herren - alle Klarheiten beseitigt?! Machen Sie sich nichts draus, die Auflösung erfolgt in der Ewigkeit, Amen!“

Die beiden norddeutschen Engel beschränken sich auf ein vielsagendes „Hm, hm, hm“ und ein höfliches
„Verbindlichsten Dank!“ - sich einander ratlos anblickend.

Erzengel Michael indes merkt an:
„Spatzl, wir hätten no ebbs zum Red´n miteinand. Beim Fliagn braucht´s deine Loopings und die ganze andere Akrobatik do ned!“

Spatzl, halb verlegen, halb trotzig, entgegnet:
„Ah geh, Micherl ... wous bischt nåchert sou grantig! Schaug, deis isch guat für meine ... jo mei .. wia sågt ma? Aaah jo: Reifung und Entwicklung!“

Mit einem Auflachen angestrengter Strenge, die eigentlich nur lächeln möchte, ruft der Erzengel Michael aus:
„I moan, do mechert mi wer pflanzn!“

Da ertönt fast unisono ein Chor von Kinderstimmen: „Naa, naa, Spatzl håt Recht ... und a Gaudi muaß sei!“
Ein sich in sein Schicksal ergebener Erzengel Michael (der schon längst sein Flammenschwert abgelegt hat) stößt einen tiefen Seufzer aus.

Allerdings wirkt er doch reichlich überrascht, als er diese Erwachsenenstimmen hört:

„Nun ja ... mit Verlaub ... äh ... aber ... nun ja, manchmal ist Spatzl ja n´büschn vorlaut, nich waaa, äh, aber, äh, wir müssen Spatzl zustimmen. Das macht aber auch wirklich einen Heidenspa ... äh ... das verschafft wirklich himmlische Freude ... es wirkt auch in der Tat horizonterweiternd ...“

„So, so - sehr interessant, ich darf wohl annehmen, dass nun noch einige andere ältere und gesetztere Herrschaften ...“
Mit einem mehr oder weniger zaghaften „Ja, wir auch ...“ wird die Einschätzung des Erzengels bestätigt.

Mit der Aufforderung „Micherl, mach halt mit, probier an Looping!“, nutzt Spatzl die Gunst der Stunde.
„Ihr seid ja alle miteinander meschugge!“ grantelt der Erzengel Michael humorig.

„Bitte, bitte ...!“ erschallt es in allen Stimmlagen.

So also lässt sich der Erzengel Michael erweichen, hebt schwungvoll und elegant ab ... aber ....

„Deis war koa Looping, Micherl! Deis war a Absturz!“ konstatiert Spatzl lakonisch, um dann jedoch besorgt zu fragen: „Håscht di recht ang´haut, Micherle?“

„Naa, mir isch nix passiert! Aber mein Bedarf an extravaganter Fortbewegung ist für heute gedeckt “, sprach´s und geht schließlich zu einer Heiligenstatue, begrüßt sie auf Hebräisch, klopft ihr auf die Schulter und spricht den Heiligen, der früher ein Dogmatikprofessor war, dann auf Deutsch an:

„Das ganze mit der Trinitätstheologie war übrigens nicht hämisch gegen Ihr Fachgebiet oder gar Sie persönlich gerichtet!“

Der so Angesprochene lächelt und antwortet: „Ich weiß - und selbst wenn es wäre, so könnte ich es respektieren. Dort wo ich jetzt bin, kann ich (wenn auch verspätet) befreit im Gefolge des Aquinaten hinsichtlich meines Lehrens das zugeben, was jener allerdings schon zu seinen Lebzeiten über sein Werk sagte: , ... Stroh ...´ “

Der Erzengel Michael verabschiedet sich mit einer freundschaftlichen Geste von dem Heiligen - doch da stutzt er:
„Sagen Sie mal, warum sehen Sie plötzlich so zerzaust aus? Ihrer Statue fehlen ja Stücke!“

„Das sind doch nur harmlose Kratzer! Ich nehme halt auch Flugstunden beim Spatzl - aber Kunstflug ohne Flügel ist nicht einfach!“

„Das stimmt“, ruft ein ebenfalls flügelloser und etwas ramponierter Exegetenheiliger und meint dann noch:
„Konsens mit einem Dogmatiker! Wenn mir das zu Lebzeiten jemand gesagt hätte, den hätte ich für verrückt erklärt!“

Da aber umgibt das Geschehen eine unaufdringlich schmeichelnde Stille - denn ein Liebespaar tritt in die Kirche ein: scheu, verlegen, so, als hätten sie bisher noch nie eine Kirche betreten - aber mit einem auffallenden Feingefühl für das Nichtprofane in all seinen Facetten.

Doch ein immer intensiveres Lächeln strahlt über die Gesichter der Neuankömmlinge, als sie die Putten näher betrachten. Besonders die hochschwangere Frau wirkt wie bezaubert.

Indes wende ich, der stumme Beobachter, meinen Blick von jenem Paar ab, um nicht indiskret zu sein.

Nach einiger Zeit geht die Frau und der Mann wieder hinaus.
Ich vernehme nur immer leiser werdende hebräische Wortfetzen vor der Kirchentür.

Plötzlich sitzt eine Übersetzerputte neben mir und flüstert mir ins Ohr: „Bischt nåchert ned neugierig?“
Doch sie wartet meine Reaktion gar nicht ab und überträgt hastig, so als könne die überirdische Fremdsprachenkorrespondentin es gar nicht erwarten, das Gespräch des Liebespaares ins Deutsche:

>> Schön bist du, meine Freundin, ja, du bist schön. Zwei Tauben sind deine Augen.
Schön bist du, mein Geliebter, verlockend. Frisches Grün ist unser Lager,
Zedern sind die Balken unseres Hauses, Zypressen die Wände. <<
**
[ Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. 1999 (Herausgegeben im Auftrag der Bischöfe Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, des Bischofs von Lüttich, des Bischofs von Bozen-Brixen, des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bibelgesellschaft. Ausgabe in neuer Rechtschreibung.) (Hld 1,15-17). Stuttgart: Katholisches Bibelwerk. SES ]

Bei diesen Worten öffnet sich plötzlich die Decke der Kirche, die Mauern versinken - doch ohne Zerstörung.

Aber da nimmt ein Rechtgläubiger das abgelegte Flammenschwert auf.
Die Kirche schließt sich wieder, die Mauern erheben sich - dicker als zuvor.
Auch das Lachen der Putten ist verschwunden.

So also - freilich ohne Lächeln, ohne Lachen, dafür aber umso mehr standesbewusster Kälte - trumpft wieder das fff der G..tteswisserinnen und G..tteswisser auf.
Sie indes nennen es u.a: Glaubensstärke, wahrer Glaube, Rechtgläubigkeit, tiefsinnige Theologie, Seriosität usw.
Was macht es da schon, dass z. B die einen Rechtgläubigen die anderen Rechtgläubigen Sektenmitglieder bzw. umgekehrt Zugehörige zur „Hure Babylon“ nennen?!.
Was macht es da schon, von „Dialogen“ zu reden, wenn einer der Gesprächspartner lehrt, der Glauben der anderen sei defizitär?!

Der triumphalistische Widerhall des eigenen Selbstbewusstseins ertönt machtvoll in den Palästen der Rechtgläubigkeit.

Indes hatsche ich „Weichei im (Klein-)Glauben“ zu meinem zugigen jesuanischen Schwarzbau-Nochidenhütterl.

Es begleiten mich aber auch um Rechtgläubigkeit Bemühte im Geiste eines Adagio sostenuto molto semplice e cantabile ppp, welches mich fragt:

„stummer, empfindest du unsere Bemühungen um Rechtgläubigkeit negativ?"

Kurz löst sich mein Schweigen und ich antworte als Apostat: „Nicht negativ empfinde ich Bemühungen um den rechten Glauben, der jedoch im Hier und Jetzt nicht einholbar ist."


Mit herzlichen Grüßen

stummer


*
Für jene Leserinnen und Leser, welche - nichts für ungut - eventuell gerade eine (natürlich dezente) masochistische Anwandlung haben, sei zitiert:
>> Sunt quinque notiones, quattuor relationes, tres personae, due processiones, una natura, nulla probatio.
(In der Trinität gibt es fünf Notionen {Proprietäten}, vier Relationen, drei Personen, zwei Hervorgänge, eine Natur, keinen Beweis.") <<

[ Breuning, Wilhelm:
Artikel „Trinitätslehre"
in:
Beinert, Wolfgang (Hrsg.):
Lexikon der katholischen Dogmatik
Herder Verlag Freiburg Basel Wien 1987;
S. 519-523; hier: S. 523 (unter der Tabelle in kleiner Schrift)]

... Spatzl, wo bisch? ...

**
Übertragung von Hld 1,15-17 von Buber-Rosenzweig
>> Da, schön bist du, meine Freundin,
da, schön bist du, deine Augen sind Tauben.
Da, schön bist du, mein Minner, gar hold,
frisch gar ist unser Bett,
das Gebälk unsres Hauses sind Zedern,
unsre Sparren sind Wacholder. <<

[ Buber, M., & Rosenzweig, F. (1976; 2004).
Die Schrift; Bible. O.T. German. Die Schrift. (Hld 1,15-17). Deutsche Bibelgesellschaft. SES ]


Mit herzlichen Grüßen

stummer


Ideologien sind die Rauschgifte nicht nur des Volkes.
Ein gefährliches Vorurteil? Zu meinen, ich hätte keine Vorurteile!
„Was Paul über Peter sagt, sagt mehr über Paul als über Peter“ (Spinoza sinngemäß).
Traduttore traditore! / S = k logW

stummer

Glauben, Wissen und G..tt

#5 von stummer ( gelöscht ) , 12.08.2010 11:58

Hallo –


ja, mir sind jene Worte bekannt: „Glaube ist nicht wissen“.

Und dennoch ist für mich Glauben etwas anderes.
Nämlich das Vertrauen in eine Realität, welche über unseren menschlichen Eitelkeiten, Dünkeln, Parteilichkeiten, Fachidiotien und Herrschsüchten steht.

Salopp: G..tt ist für mich ein brillanter Geisteswissenschaftler und Naturwissenschaftler ... und natürlich noch mehr.

Würde jener „G..t“ mich aber in meiner Befangenheit triumphal bestätigen, so wäre dies nicht G..tt. Es wäre der Popanz meiner Selbstgefälligkeit.

Mag ich auch sprechen, vor G..tt bin ich stumm.


Mit herzlichen Grüßen

stummer


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stummer

Von Punkten und Gänsefüßchen

#6 von stummer ( gelöscht ) , 12.08.2010 12:00

Hallo –


hier fasse ich an diesen Stellen nochmals einige Anmerkungen zu den von mir verwendeten Schreibweisen G..tt und J**** usw. zusammen.

G..tt schreibe ich nicht jüdisch (im deutschsprachigen Judentum werden i. d. R. andere Statthalter verwendet; ich als Nichtjude indes deute mit zwei Punkten unten an, dass ich nicht einmal weiß, wie viele Buchstaben G..tt hat. Bislang hatten jüdische Foristinnen und Foristen daran noch keinen Anstoß genommen.).

Selbstverständlich ist jene Schreibweise lediglich meine persönliche Schreibweise - indes stelle ich in keinster Weise den Anspruch, mit jenen tief gestellten Punkten in irgendeiner Weise anderen Menschen überlegen zu sein. Und natürlich führen mich diese .. nicht näher zu G..tt.

Mit meiner persönlichen ..**-erei ist also auch keinerlei Aufforderung an andere Menschen verbunden, es ebenso zu handhaben.

Entsprechendes gilt auch für meine Schreibweise J*** für das Tetragramm.

Ach ja – manchmal redet man von Beweisen.

Was aber sind „Beweise“? Was ist ein Kirchen-„Austritt“?

Hier gleich die Entwarnung:

Wer mag, kann jene „“ (wie auch jene ..) als meine, stummers, Marotte ansehen. Es gelte dann einfach die umgangssprachliche Bedeutung bzw. deren Hintergründe.

Meine .. und „“ bedeuten nicht Naserümpfen oder gar dünkelhaftes Belehrungsgehabe hinsichtlich anderer Schreibweisen.

Es gibt halt im Leben Dinge, die für jemanden bedeutsam sind – für andere aber nicht.

Und:
Natürlich braucht´s hier weder (klinische) Psychologie bzw. Psychiatrie um zu erkennen: stummer hat einen Vogel - ach was, einen ganzen Vogelschwarm.

Aber das piep-piep gehört halt nun auch einmal zu mir ... jo mei ...


Mit freundlichem Gezwitscher - ich meine natürlich Grüßen

stummer


Ideologien sind die Rauschgifte nicht nur des Volkes.
Ein gefährliches Vorurteil? Zu meinen, ich hätte keine Vorurteile!
„Was Paul über Peter sagt, sagt mehr über Paul als über Peter“ (Spinoza sinngemäß).
Traduttore traditore! / S = k logW

stummer

Sehr verehrte Freiheit!

#7 von stummer ( gelöscht ) , 12.08.2010 12:01

Sehr verehrte Freiheit –


… so wollte ich meine Anfrage an Sie beginnen.

Doch ein seltsames Fatum verband mir zuvor meine Augen und gab mir dabei wortlos zu verstehen, dass ich Ihren Anblick nicht ertragen und angesichts Ihres gleißenden brennenden Lichts gleichzeitig verbrennen und erfrieren würde.

So aber ließen Sie, verehrte Freiheit, mich mit verbundenen Augen zurück.

Verstohlen und äußerst vorsichtig lüfte ich die Augenbinde leicht – und lege sie ab, als Alltagslicht und Unfreiheit mich umfangen.

Da nehme ich spielende Kinder wahr. Übermütig und unschuldig zugleich werfen sie ein Papierflugzeug in die Luft. Dieses landet vor meinen Füßen. Die Kinder winken mir kurz zu und verschwinden.

Nun bücke ich mich und hebe den Papierflieger auf. Er ist beschrieben. Vorsichtig entfalte ich ihn und lese dann folgende Zeilen:

>> Was - du stummer Unfreier, du wagst es, das Wort „Freiheit“ in den Mund zu nehmen?!

Sei gewarnt: Zu mir gelangst du nur, wenn du dich wahrhaft vor dir selbst verantwortest.

Dann jedoch wirst du ein Fremder dir selbst werden, der sich als ganzen Menschen prüft. Das klein geschriebene ich muss dann antworten, das nackte ungeschützte ich:

Kein wärmender Glaube, der es umhüllt, keine menschliche Zuneigung, Gemeinschaft und Zärtlichkeit, der es, selbst aussätzig und abstoßend werdend im Streben nach Ausgesetztheit vor sich selbst, sich verschließt, ja verschließen muss.

Aller lieb gewordener, schützender Seelen- und Glaubensinhalt ist ja Kleidung. welche Beweismaterial ist in einem Prozess, in dem jener Fremde Ankläger ist, vor dem das erbärmliche ich sich verteidigen und rechtfertigen muss – im radikalsten Sinn auf sich selbst gestellt:

In einer Gerichtsverhandlung, deren Ausgang der Fremde nicht kennt, das ich aber ahnt sein Todesurteil:
Verbrennen in der Gewissheit jener Freiheit, aus der es kein Zurück in die Fiktionen weißer Westen, kein Zurück in die Paläste der Absolutheitsansprüche gibt. <<


„Aber geh, stummer – so ein Blödsinn!“ meinen das pralle Leben und lieb gewonnene Menschen - und:
Burli, der Schäferhund, will Suchen spielen. Nofra, die Katze, möchte gekrault werden.

So also faltet mir den Papierflieger wieder eine tot geglaubte Fee zärtlich zusammen.

Dann besteige ich einen Berg und mit einem trauernden Lächeln entgleitet das Flugzeug aus Papier meinen kurzsichtigen Augen in weite Ferne:
Als ob die Sprache des Windes, des Murmeltiers, der Gams, der Blumen, der Felsen und des Schnees es zu jenem fremden Meer führen, aus dem dereinst wieder Gebirge entstehen.

Behaglich beißt Burli auf seinem Knochen, Nofra macht (egal ob mit oder ohne i im Namen) das, was sie will, Kinderlachen ist zu vernehmen – und es hat seine Richtigkeit so.

Ach ja – das Weißbier: Prost! Salute! Gesundheit!


Ideologien sind die Rauschgifte nicht nur des Volkes.
Ein gefährliches Vorurteil? Zu meinen, ich hätte keine Vorurteile!
„Was Paul über Peter sagt, sagt mehr über Paul als über Peter“ (Spinoza sinngemäß).
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stummer

Strings, Aspirin, Mathe und Physik

#8 von stummer ( gelöscht ) , 12.08.2010 12:02

Hallo –


wie wär´s mit dem:

>> Ein Ingenieur und ein Mathematiker sitzen zusammen in einem Vortrag über die Kaluza-Klein Theorie bzw. Stringtheorien, die sich mit 11, 12 und sogar noch mehr Dimensionen beschäftigen.
Der Mathematiker genießt die Vorlesung, während der Ingenieur immer mehr verwirrt aussieht. Als der Vortrag zu Ende ist, hat der Ingenieur schreckliche Kopfschmerzen davon.
Ingenieur: "Wie kannst du nur diesen schrecklichen, abgehobenen Vortrag verstehen?"
Mathematiker: "Ich stelle mir das ganze einfach vor."
Ingenieur: "Wie kannst du dir bloß einen 11-dimensionalen Raum vorstellen???"
Mathematiker: "Nun, ich stelle mir einen n-dimensionalen Raum vor und lasse dann n gegen 11 gehen.." <<

[ Quelle (von mir leicht abgewandelt):
http://chaosniveau.de/home/fun%20phywitze.htm ] ?


Mit herzlichen Grüßen

stummer

(mit einem Aspirin- und Ibuprofenvorrat schon für den Fall, mir vorzustellen, ich könnte mir dies konkret vorstellen und sinnenfällig erleben wie drei Dimensionen:
nämlich eine 4-dimensionale Realität - analog einem zweidimensionalen Wesen, welches gelernt hat, in seiner zweidimensionalen Wahrnehmung die dritte Dimension konkret wahrzunehmen ...)

Ach ja - bei der Gelegenheit vielleicht noch dies:


Sehr verehrte Mathematik –


manche Menschen sehen Sie als Geistes-, einige Ihrer Adeptinnen und Adepten aber als Strukturwissenschaft. Aber das soll hier nur nebenbei erwähnt sein.
Mir selbst traue ich eine wie auch immer geartete Kategorisierung nicht zu. Auch hier bin ich inkompetent.

Als Anwender bin ich nur ein g´schamiger (weil mit vielen Lücken behafteter) Verehrer von Ihnen.
So möchte ich mich bei Ihnen wenigstens für meinen groben Umgang mit dem entschuldigen, was man reine Mathematik nennt.
Da werden zum Beispiel unendlich kleine Größen schamlos und pragmatisch zu sehr kleinen Größen vergröbert usw. ...

Aber das ist wahrlich nicht böse gemeint.

Als bloßer Anwender darf ich Ihnen, wie übrigens auch der theoretischen Physik insgeheim anvertrauen: Sie haben sehr viel mit Schönheit zu tun ... Bitte verzeihen Sie mir meinen emotionalen Ausbruch ...


Hochachtungsvoll
stummer
(ein leider stümperhafter Formelgenießer)


Sehr geehrte Physik –


auch als Nichtphysiker und Nichtmathematiker erkenne ich unterbelichteter Nebenfachler an: Ohne Sie geht gar nichts!
Was wäre denn nun gewesen, wenn ich Physiker geworden wäre? ... die arme Physik ... Nun – ich wäre Experimentalphysiker geworden.

Was ich von der theoretischen Physik halte? Sehr viel – leider sind für mich deren mathematische Anforderungen zu hoch.

Indes gibt es etwas, was mich veranlasst – manche finden es verschroben – nach den theoretischen Grundlagen des Anwendungen zu fragen. Was treibt mich an? Es ist pure Genusssucht!


Hochachtungsvoll

stummer Anwender


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stummer
zuletzt bearbeitet 12.08.2010 12:03 | Top

Das Murmeltier u. a.

#9 von stummer ( gelöscht ) , 12.08.2010 12:05

Eines Tages, am Berg, kommt ein Murmeltier auf mich zu.

Seltsam, seit wann hüllt sich das Marmotl in Gewänder?

Das Mankei kommt näher, mit einer – jetzt erst erkenne ich es – schwarzen Richterrobe bekleidet.

G´spaßig! G´spaßig?

„stummer, i muaß a ernst´s Wörterl mit dir redn!“

„???“

Meine Verwirrung wird übrigens noch größer, als jenes Murmandl plötzlich auf Schriftdeutsch mit indes wienerischem Tonfall ausführt:

„Du weißt schon und gleichzeitig auch nicht: Beethoven – Wien – Freude schöner Götterfunke … und nun also die Antithese:

[url=http://www.youtube.com/watch?v=3u8HW5vPCQw ]Das Lachen wird dir im Hals stecken bleiben, schau dir´s an mit allen deinen Sinnen [/URL]“


Dann sprach Marmotl plötzlich in einer völlig fremden Sprache zu mir – indes erklärte mir eine Bergdohle:

„Das war eine plattdeutsche Variante und gesagt wurde, du mögest dich um die Synthese künftig selber kümmern, stummer!“

Plötzlich jedoch verschwanden jenes Murmeltier und die Übersetzer-Bergdohle spurlos.

Nicht aber die Musik in all ihren Facetten.


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stummer
zuletzt bearbeitet 12.08.2010 12:05 | Top

Fremdheit und Distanz

#10 von stummer ( gelöscht ) , 12.08.2010 12:07

Hallo –


an dieser Stelle möchte ich aus meinem Graffl-Kasterl biedere Hausmannskost anbieten, die sich indes in meinem Leben bewährt hat und bewährt.
Es handelt sich um Konsequenzen aus folgender ironisch-flapsiger, nichtsdestotrotz aber sehr brauchbarer, Maxime:

„Möchte man Leben und Werk einer bedeutenden Persönlichkeit für sich vereinnahmen oder zerreißen, so erwähle man sich eine tote Person. Die kann sich nicht mehr wehren.
Ausgeblendet seien die mehr oder weniger selbsternannten intellektuellen Nachlassverwalter.“

So also verfasse ich folgende kurze Ergüsse in Briefform:


Sehr verehrte große Welt -
Sehr verehrte Großstädte bzw. Metropolen –



als bekennendes Landei entbiete ich Ihnen und natürlich auch den Vorstädten (denen ich ebenfalls nicht angehöre) hiermit den Ihnen gebührenden Respekt.


Ihr g´schertes Landei

stummer


XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

Sehr geehrte große Persönlichkeit der Menschheitsgeschichte* –


meine Wertschätzung möchte ich ausdrücken durch die Achtung der unüberbrückbaren Distanz zwischen Ihnen und mir.

Anders ausgedrückt:
Als Fremder verfüge ich über nichts, was mich zu Vereinnahmung Ihrer Person bzw. Ihres Gesamtschaffens für meine Belange qualifizieren würde.
Nie werde ich Sie wahrhaftig kennen bzw. Ihr Werk kompetent würdigen können.

Aber ich bin Ihnen dankbar.

Das Gesagte werde ich befolgen – egal welchen Namen Sie tragen.


Hochachtungsvoll

ein fremder stummer

*: zum Beispiel Jesus von Nazareth

XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

An eine Negativgestalt einer Persönlichkeit: **


Hier genügt es, wenn ich Sie einer kompetenten Letzturteils-Instanz überlasse, welche ich als Mensch nicht sein kann.


Auf Wiedersehen mit eindeutiger Konfrontationsstellung im Hier und Jetzt

ein fremder stummer

**: zum Beispiel Hitler, Stalin, Mao


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stummer
zuletzt bearbeitet 12.08.2010 12:34 | Top

   

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