Meuterei.......

#1 von Sheppard ( gelöscht ) , 18.07.2010 23:44

....auf der Bounty.

Am 24. April legte Bligh einen Zwischenstopp in Nomuka (Tongainseln) ein, um wie Cook 1777 und Tasman 1643 Proviant und Wasser zu ergänzen. Einer der Einwohner, ein älterer Mann, erinnerte sich an ihn. Es kam bald zum Streit. Einheimische stahlen Ausrüstungsgegenstände der Bounty, wofür Bligh seinen dritten Wachführer Christian verantwortlich machte. Dann versuchte er, einige Stammesführer als Geiseln festzuhalten, um das Diebesgut wiederzubekommen, ließ sich aber zuletzt überzeugen, dass dies nichts nützen würde, und gab die Geiseln wieder frei. Dass das erfolglose Hin und Her Blighs Autorität ein weiteres Mal geschwächt haben muss und die Stimmung an Bord bedrückte, ist sehr wahrscheinlich.

Südwestlich von Tofua, heute ebenfalls zu Tonga gehörig, kam es am 28. April zur Meuterei:

Am Vorabend war Christian von Bligh beschuldigt worden, sich am Schiffsvorrat an Kokosnüssen vergriffen zu haben. Christian, der sich erneut ungerecht behandelt fühlte, betrank sich anschließend und sprach gegenüber einigen Matrosen davon, mit einem Floß nach Tahiti zurückkehren zu wollen. Diese scheinen ihm dann zugeredet zu haben, stattdessen Bligh auszusetzen.

Christians vierstündige Wache begann um 4:00 Uhr, nachdem er keine halbe Stunde geschlafen haben konnte (er war in seiner Freiwache bis 3:30 Uhr an Deck geblieben). Ab 4:30 Uhr kam es zu Debatten an Deck, gegen 5:20 Uhr wurde Bligh festgenommen und an den Handgelenken gefesselt. Christian, Mills, Churchill, Burkett und Adams bedrohten ihn mit Waffen. Hitzige Debatten entstanden, Bligh tobte, Fryer brüllte auf Christian ein, und das kleine Beiboot wurde zum Wassern vorbereitet. Um 7:00 Uhr war das geschehen, aber das Boot war in einem so schlechtem Zustand, dass man Bligh die Barkasse zugestand.

Nach einer halben Stunde war diese gewassert, und zu Christians Verwunderung wollten jetzt 20 Mann einsteigen. Gegen acht Uhr war die Barkasse voll besetzt, Bligh aber noch an Bord der Bounty. Im Beiboot waren zwei kleine Fässer Wasser (maximal 125 Liter), etwas Wein, Rum, Brot und Zwieback (insgesamt rund 75 kg) sowie einige Kokosnüsse. Ein wenig Kleidung wurde ins Boot geworfen, der Zimmermann durfte sein Werkzeug mitnehmen, und der Bordschreiber konnte die allerwichtigsten Unterlagen Blighs zusammensuchen. Kurz nach acht Uhr wurde dieser als letzter ins Boot genötigt, und erneute Debatten begannen, als er Christian ein letztes Mal umzustimmen versuchte. Gleichzeitig erbaten und erhielten die Männer in der Barkasse noch etwa 10 kg Dörrfleisch. Kurz vor 10:00 Uhr, als das seit zwei Stunden nachgeschleppte Boot losgemacht wurde, warf man ihnen noch vier Entermesser zu, aber keine Feuerwaffen.

Der harte Kern der Meuterer bestand aus neun Personen: Edward „Ned“ Young (die treibende Kraft – er hatte Christian angestiftet) und Christian; des weiteren Adams, Brown, Martin, McCoy, Mills, Quintal und Williams. Dazu kamen neun aktive Mitläufer. Rund 22 waren relativ loyal, einige unentschlossen. Manche waren freiwillig auf der Bounty geblieben, andere waren dazu gezwungen gewesen, da es an Bord des Beiboots keinen Platz mehr gab. Martin war nach einem Streit mit Peckover aus dem Beiboot aufs Schiff zurück genötigt worden. Später entschieden sich sechzehn Männer, lieber in Tahiti zu bleiben und auf die unvermeidliche Suchexpedition zu warten, statt Christian zu begleiten.



mfg Shepppard


Colonel Caldwell: Warum versenken wir die Stadt nicht wieder im Meer?

Rodney: Hören Sie, das ist eine Stadt und kein Jojo … Ich weiß nicht, wie die das damals geschafft haben!


Schlagfertig ist jede Antwort, die so klug ist, daß der Zuhörer wünscht, er hätte sie gegeben.

(Elbert Hubbard, am. Essayist, 1856-1915)

Sheppard

RE: Meuterei.......

#2 von Klaus Pfahl , 20.07.2010 17:32

Diese Geschichte wurde in vielen Büchern und Filmen anders dargestellt. Bligh wurde erst später offiziell zum Captain ernannt. Er galt für damalige Verhältnisse als schwacher Offizier, weil er die sonst übliche Prügel- und Todesstrafe verachtete. Bei Vergehen auf See beließ er es meistens immer mit einer Verwarnung.

Die Meuterei hatte tatsächlich, wie Du es beschrieben hast, stattgefunden. Interessant ist die 6-wöchige Seereise mit dem kleinen offenen Boot, bei der er nur einen Mann verlor. Auf der holländischen Insel Timor fanden sie Hilfe und kehrten jeder für sich nach England zurück.

Der meuternde 2. Offizier Fletcher Christian ließ sich mit dem Rest der Besatzung und einigen Frauen von Tahiti auf der damals von den Engländern noch nicht besetzten Insel Pitcairn nieder, setzten die Bounty in Brand, und wurden die Stammeltern der noch heute dort lebenden "Pitcairnern". Die meisten sind stolz Fletcher als Vorfahren zu haben.

Ein ehemaliger Kollege von mir hat eine Nachfahrin Fletcher Christians auf Neuseeland kennengelernt und geheiratet. Die wohnen heute in Emden.

Gruß
Blitz


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

Honoré de Balzac

 
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RE: Meuterei.......

#3 von Sheppard ( gelöscht ) , 20.07.2010 17:38

Danke für die Verbesserung.
Eine wie Ich finde spannende Geschichte.

mfg Sheppard


Colonel Caldwell: Warum versenken wir die Stadt nicht wieder im Meer?

Rodney: Hören Sie, das ist eine Stadt und kein Jojo … Ich weiß nicht, wie die das damals geschafft haben!


Schlagfertig ist jede Antwort, die so klug ist, daß der Zuhörer wünscht, er hätte sie gegeben.

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Sheppard

RE: Meuterei.......

#4 von Vingilot ( gelöscht ) , 20.07.2010 17:47

Es gibt widersprüchliche Versionen der Geschichte.
Die wahrscheinlichste ist für mich jene, dass Bligh gar nicht der Tyrann war, als den ihn die Meuterer darstellten.
Die Meuterer hatten sich auf Tahiti in Frauen verliebt, und es brach ihnen das Herz, sie zurückzulassen.
Da es für Normal-Sterbliche damals keinen Weg zurück in die Südsee gab, wählten sie die einzig bleibende Option.


Wir wandern unter Bäumen weit vom Meer,
jedoch das Sternenlicht,
des Westens, wir vergessen's nicht.

Vingilot

RE: Meuterei.......

#5 von Klaus Pfahl , 20.07.2010 18:07

Die Verhältnisse an Bord waren in der damaligen Zeit für die Mannschaft fast unerträglich. Da gab es wie heute keinen Landgang. Die Besatzung mußte an Bord bleiben. Dieses Zusammentreffen von Mannschaft und Inselbewohnern war eine große Ausnahme, besonders dann wenn Neuland betreten wurde. Viele Insulaner waren als Kopfjäger Fremden gegenüber nicht freundlich gesinnt, und wenn die Matrosen sich auch noch über die Frauen hermachten, kann man sich gut vorstellen, wie agressiv die dann werden konnten.

"Captain" Bligh hatte sehr gute nautische Kenntnisse, die er als Offizier bei James Cook erworben hatte. Seine genauen selbstgefertigen Seekarten ermöglichten ihm das Überleben in seiner Nußschale.

Gruß
Blitz


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RE: Meuterei.......

#6 von Vingilot ( gelöscht ) , 20.07.2010 18:15

Auf Tahiti wurde die Besatzung herzlichst empfangen, wie es in der Geschichte heißt. Die Bewohner wurden schließlich durch Cooks freundliche Vorarbeit auf Europäer vorbereitet.
Es heißt auch, dass jeder Europäer, und sei er noch so hässlich gewesen, auf Grund der hellen Hautfarbe wie ein Halbgott verehrt wurde. (Insbesondere von den Frauen)

Kein Wunder, dass den Meuterern der Abschied vom Paradies auf Erden so schwer fiel.

Wie dem auch sei. In jeder Version ist es eine wunderbare, abenteuerliche und romantische Geschichte.


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Vingilot
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RE: Meuterei.......

#7 von Klaus Pfahl , 20.07.2010 18:28

Aber auf Hawai waren die Polinesier nur anfangs freundlich. Nachdem James Cook wegen dem schlechten Zustand seines Schiffes nach der Abfahrt auf die Insel für weiter Reparaturarbeiten zurückkehrte, wurde er dort erschlagen. Bligh konnte sich als Offizier mit den Mannschaften auf das Schiff retten.

Gruß
Blitz


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