Wortverdrehungen und Spinnereien

#1 von Vingilot ( gelöscht ) , 17.03.2010 12:10

Künstliche Lieder, drückende Wände,
künstlicher Lichtschein, Druck ohne Ende.
Künstlich kalt ist dieses Haus.
Ich muss raus!
Ich muss raus!

Entflohen in die Sommernacht,
luftig, dunkel unbewacht
wandle ich auf dunklen Pfaden,
Zeitverdrossen, zeitbeladen,
tauche tief ins Dunkel ein.
es hüllt mich ein,
hüllt mich ein.
Sind Wege dunkel unbenützt,
ist Nacht ein Mantel der beschützt.

Die Künstlichkeit wie weggeblasen
lauf ich über Mondlichtrasen.
Funken steigen aus dem Gras,
wie elfenlicht-gefülltes Glas.
Grillenzirpen, Glühwurmlicht
drücken nicht,
erdrücken nicht.
Wenn Vögel verstummen und Lieder verklingen,
dann lausche den Grillen, die nachts für dich singen.

Gedanken, die mir lieb und teuer
Tanzen frei im Elfenfeuer.
Und Stimmen dringen aus dem Licht:
Vergiss mich nicht!
Vergiss mich nicht!
Wenn Bilder verblassen und Zeiten sich wenden,
dann halt sie nicht fest mit gierigen Händen.

Lieder die ich einst gesungen
Stimmen, die schon längst verklungen,
Namen, Bilder, Lebenslauf
tauchen aus dem Dunkel auf.
Grau und modrig, altersschwer.
Sie sind nicht mehr,
sind längst nicht mehr.
Wenn Dinge versinken in Seen der Zeit,
soll’n sie doch ertrinken in Ewigkeit!

Und endlich kehrt die Ruhe ein,
ich lenke meine Schritte heim.
Dorthin will ich blicken, nicht zurück.
Will leben nur noch Stück für Stück ...,

von Augenblick
Zu Augenblick.

Vingilot

RE: Wortverdrehungen und Spinnereien

#2 von Vingilot ( gelöscht ) , 18.03.2010 13:45

Libellen:

Geboren im langsamen Element,
suchend,
tauchend,
lauernd,
in starrer Rüstung wartend,
Aber dann
Aufsteigend,
sich verwandelnd,
alles zurücklassend,
unter sich
den Boden,
die Vergangenheit,
die hässliche Hülle,
der Starre entfliehend,
als flirrend,
glitzernd Feenwesen,
fliegend
und tanzend
warten auf den Winter,
gelassen
schwebend,
bis zur letzten, frostigen Abendsonne.

Vingilot

RE: Wortverdrehungen und Spinnereien

#3 von Vingilot ( gelöscht ) , 18.03.2010 19:01

Versuch einer mittelalterlichen Zote:

Ein Junker ging zum Medicus,
tadaradei, juchei,
weil es gar gräulich stank
nach übermäßig Kaasgenuss
und mutmaßt er sei krank.

Stank wie ein Hund aus Hintern und Mund,
Tandaradei, auweih!


Der Medicus gelehret sprach:
Tandaradaus, oh Graus,
Nehmt dieses Kraut aus fernem Land,
nimm er es sparsam, mit Gemach
so es erfrischt Leib und Verstand.

Eukalyptus genannt aus fernem Land,
Tandaradus, Gelehricus!

Am nächsten Tage der Patient
Tandardein, oh, Pein,
sich an des Arztes Türe krallt
Er hauchet jammervoll. „Es brennt,
als ob des Teufels Faust sich ballt.

In Höllenglut verbrennt aller Mut
Tandaradoh, lichterloh!

Der Arzt, der sah dem armen Siechen
Tandaradaun, ich staun!
ins trübe Aug und sprach: „Mich deucht
bei sorgsam wohldosiertem Riechen,
dass kein Gestank dir mehr entfleucht.“

Wie durch Zauberspruch, Wohlgeruch,
Tadaradieste …, siehste!

Der Junker brüllt: „Zu welchem Preis?
Tandaradaul, winseljaul,
Wie könnt ihr nur gesund mich heißen?
Wie Feuer brennt der ganze Steiß,
ich kann kaum gehen und kaum sch…lafen!“

Höllengepolter, Teufelsfolter,
Tandaradade, Gnade!


Mein guter Mann, hör meine Worte:
Tandaradoh, oho!
„Das scharfe Kraut war doch gedacht
Zum Kauen, nicht für die andr’e Pforte!
Die Höllenpein ist hausgemacht.“

Tandaradein, oh, Pein …
Und selten hat er so gelacht.


Vingilot
zuletzt bearbeitet 18.03.2010 19:03 | Top

RE: Wortverdrehungen und Spinnereien

#4 von Vingilot ( gelöscht ) , 19.03.2010 20:02

Noch ein Mittelalter-Versuch,
diesmal Minnesang


Ode an Renata Adipositas die Triebreiche von Hohnekralle:

Oh, du göttliches Weib!
Wellenwabblig-milchweiß-schwabblig wecken wahrhaft wonnigliche Wallungen in Wellen gar wunderbares Wortgewusel wenn ich nur an dich denke,
ich mein Herz dir schenke.

Renata, wie den Abendstern, wie den runden, vollen Mond,
sieht man’s leuchten schon von fern, wenn dein Leib am Bergfried thront.

Milchigweiß, vom vierfach-faltig-Kinn bis zum Steiß, füttert fraulich frömmelnde Feistigkeit
gar freudige Frohlockungen, die ich froh dir schenke,
immerzu an dich denke.

Renata, wenn ich einst ertrinke, in deiner Stimme Engelston,
süßer als Eule, Uhu und Finke, wird es sein mein kostbarst’ Lohn.

Gazellenfüßig-schwerlastmüßig hinterlassen wohlgeformte wandelbare Spuren wuchtiger Weiblichkeit auf Sand am Meeresstrand,
geweihter Sand.

Renata, oh, du meine Sonne, oh, güld’nes Licht am Waldessaum,
bist meine wahrlich einzig Wonne, entstiegen aus dem Meeresschaum.


Wir wandern unter Bäumen weit vom Meer,
jedoch das Sternenlicht,
des Westens, wir vergessen's nicht.

Vingilot
zuletzt bearbeitet 19.03.2010 20:05 | Top

RE: Wortverdrehungen und Spinnereien

#5 von Vingilot ( gelöscht ) , 07.04.2010 20:08

Douglas Adams hat dieses Gedicht mit Titel erwähnt, doch selbst leider nie geschrieben, bzw. nie veröffentlicht.
Ich möchte das hiermit nachholen, zu Ehren eines meiner Lieblingsautoren, für seine Fans ...
und weil es mir einen Riesenspaß macht.

»Ode an einen kleinen grünen Kittklumpen, den ich eines Sommermorgens in meiner Achselhöhle fand«
oder: Gluckser des Dichterfürsten Grunthos des Aufgeblasenen:

Teil 1, oder wie der Dichter das Kleinod zu Tage förderte:

Jahreswaschung kochend heiß, schmierig, seimig, glatt von Schweiß,
tauch in den Badetrog ich ein, qualvoll grunzend unter Pein.
Nun noch etwas Badesalz, gut geranzelt Moschus-Schmalz,
Methanpatrone, blubbrig heiter, und ein Schuss vom Pflege-Eiter.
Rötig kräuselt grindig Haut, schälet ab sich knackend laut,
Unter Achsel-Schmalz ich bohr-e. Ei, was kommt denn da hervor-e?
Grünlich speckig, leprös fleckig, liegt er da, der kleine Schatz
wie warmer, süßer Vogelschmatz.
Freudig heiße Euphorie durchströmet mich von Kopf bis Knie.
Ist es Zufall, ist es Glück? Verdiene ich dies selt’ne Stück?
Tief ergriffen in mir drin, guck ich auf das Kleinod hin.

Teil 2, oder: „Was ist es und wofür ist es gut?“

Während mir ein Wind entfleucht, denk’ versonnen ich: „Mich deucht,
Ich muss der Welt davon verkünden! Doch vorher muss ich noch ergründen.
Die Grundessenz von diesem Dinge, auf dass mein Lied gar wohl gelinge.“
Was bist du, sprich, oh Kleinod mein! Stinkst wie ein halb verfaultes Schwein.
Lässt kneten dich zu einem Balle, schmeichelweich und zäh wie Qualle.
Lässt dich spießen mit der Gabel, schmiegst perfekt dich in den Nabel.
Müffelnd, matschig, madenwimmlig, wurmig, wuslig, grünlich schimmlig.
Gar vielfach kann man dich benutzen, zum Nase-, Ohren-, Zähneputzen.
Wenn richtig ich in Form dich walz, saugst auf du all mein Ohrenschmalz.
Lässt dich kauen, lässt dich lutschen, kannst glibbrig durch die Nase flutschen.
Und wie ich so im Bade grübel, da kommt es mir, ach, mir wird übel,
zu guter Letzt doch in den Sinn, dass ich des Klumpen Mama bin.

Teil 3, oder wie der Dichter ob seiner Rührung knapp am Suizid vorbeischrammte:

Klümpchen mein, mein liebes Kind, entstiegen aus dem Axel-Grind,
Wie konnte nur so blind ich sein, dass ich dies Wunder unschuld-rein
nicht seit dem magisch ersten Blicke mit meiner Zärtlichkeit beglücke?
Der Schmerz mit ich mich jetzt quäle steckt tiefst in meiner Dichterseele.
Sensibel wie ich eben bin, geb’ ich mich so der Trübsal hin,
dass das gequälte Haupt ich senke, auf dass ich mich im Bad ertränke.
Du, Klümpchen, ja, du kommst mit mir, damit ich dich nie mehr verlier.
Voll Liebe aus dem Herzensgrunde, begrab’ ich dich in meinem Schlunde.

Nachtrag oder wie der Dichter überlebt hat und somit dieses Meisterwerk überhaupt schreiben konnte:

Seine Sklaven fanden Grunthos den Aufgeblasenen nackt und bewusstlos inmitten der Trümmer seiner explodierten Badewanne. Das grüne Kügelchen, so fanden die Ärzte später heraus, wirkte wie ein Katalysator auf den Darminhalt des Dichterfürsten. Grunthos selbst ist außer einer gründlichen (und unendlich erleichternden) Darmentleerung nichts passiert. Es kam zur spontanen Oxydation einer mächtige Flatusblase, die sich entzündete, während sie die Reste des Enddarms durchstieß. Das Ergebnis war im wahrsten Sinne des Wortes „atemberaubend“, und dasselbe Attribut muss man auch dem Gedicht des Fürsten zugestehen, welches immerhin heute noch als das zweitschlechteste im bekannten Universum gilt.
Der kleine, grüne Kittklumpen wurde leider nie mehr gefunden. Doch immerhin wurde er literarisch unsterblich. Das ist doch viel mehr, als den meisten von uns vergönnt ist, nicht wahr?


Wir wandern unter Bäumen weit vom Meer,
jedoch das Sternenlicht,
des Westens, wir vergessen's nicht.

Vingilot
zuletzt bearbeitet 07.04.2010 20:12 | Top

RE: Wortverdrehungen und Spinnereien

#6 von Vingilot ( gelöscht ) , 11.04.2010 13:07

Noch eine geschichtliche Anekdote inspiriert vom Douglas-Adams-Universum und der öst. Innenpolitik:

Lokusio, Plumpsverreckerl von Vogon erregte dereinst große Aufmerksamkeit mit der Wortmeldung, dass man alle Fäkalwürmer des Planeten braten und zu Schleimlasagne verarbeiten sollte, weil diese die Abflüsse unzureichend reinigen würden und deshalb die Klos verstopften.

Max Weichherz von Humanitus nannte Lokusio daraufhin empört einen Wurmverachtenden Barbaren.

Bald darauf waren 99% der Vogonen davon überzeugt, dass Max ein Terroristenfreund sei, der das heimliche Ziel verfolge, ganz Vogon in der Scheiße zu ersticken.

Niemand beachtete zu diesem Zeitpunkt das Jahrzehntelange Bemühen von Max, die Behörden dazu zu bewegen, mehr Zitronensäure in die Wasserleitungen zu leiten, welche die Fäkalwürmer unbedingt benötigen, um ihre Arbeit effizient zu verrichten (und nebenbei den Mundgeruch der Vogonen etwas zu lindern)
Max kam auch kaum mehr dazu, darauf hinzuweisen und auch kaum, das Problem anzusprechen. Denn alle seine gemäßigten Wortmeldungen zum Problem wurden vom Getöse der Übertreibung niedergebrüllt und nicht mehr wahrgenommen. Übrig blieben allein die Verteidigungsversuche für die armen Fäkalwürmer, die bald keine anderen Verbündeten mehr hatten als Max.

Max sah das Problem und wollte es lösen.
Lokusio sah das Problem, nutzte es für seine Zwecke und war froh, dass es niemand löste.
Die Fäkalwürmer wollten eigentlich nur friedlich leben und arbeiten.
Die Bevölkerung wollte eigentlich nur sch ..., ohne dass die Klos überquollen.

Am Ende landeten die Würmer in der Lasagne, die Vogonen waren zwei Wochen lang satt, die Völker der Galaxis ob dieser Barbarei schockiert,
Max wurde die Schuld gegeben, Lokusio zum Premier gewählt ...,
und ganz Vogon erstickte in der Scheiße.


Wir wandern unter Bäumen weit vom Meer,
jedoch das Sternenlicht,
des Westens, wir vergessen's nicht.

Vingilot

RE: Wortverdrehungen und Spinnereien

#7 von Vingilot ( gelöscht ) , 08.05.2010 15:54

Das Effenlied

Weißt du, was ein Effe ist? Wenn nicht, verrate ich es dir.
Kein Gegenstand, den man vermisst. Es ist kein Ding und auch kein Tier.
Es ist ein wenig kompliziert, das geb’ ich unumwunden zu.
Könnt’st hinterher beleidigt sein. Ja, vielleicht gerade du.
Denn Effen sind nichts was ich schätze, Menschen sind’s, mit Fehlern eben.
Und falls ich dich damit verletze, tut mir sehr Leid, musst damit leben.

Ihr sollt nun hören, wie es war, als in den heil’gen Kärntner Landen,
im Jahr des Jörgl, Sechsundachtzig, die Effen erstmals auferstanden.
Der Jörgl salig selbst bestimmte, dass „FPÖ“ zu fade scheint,
weil es ihn wahrlich arg ergrimmte, dass es auf „SPÖ“ sich reimt.
Das Intellekt der Wähler unser, erkannte Jörgl leicht verdrossen,
wird mit der Zeit immer noch schmäler, Verwechslungen nicht ausgeschlossen.

So also sprach der Fürst: „Es sei! Für Sozis das „PÖ“ soll sein!
Mit „FPÖ“ sei es vorbei! Das „F“ genügt uns ganz allein!“
Die „F“, ist jetzt keine Partei mehr. Das ist nicht cool, ist unmodern.
Darum, und fällt’s auch noch so schwer uns, müss’ ma jetzt a „Bewegung“ werd’n.
Vom Gegner gibt es dafür Häme. Doch auch die Freunde sind entsetzt.
Für FPÖ-ler gibt’s Probleme. „Verflixt, wia nennan ma uns jetzt?“

„F’h-ler“, dös klingt slawisch fast. Beihan’ wiara gehauchter Fehler.“
Mia san Östarreicha, waast! Hearst, damit vertreibst dö rechten Wähler!
„Effler?“, Dös klingt ah so boch’n. Zwar stammt der Mensch vom Affen ab.
Oba, Jörg, dös kaunst net moch’n. Dös gibt Spott, und net zu knopp.
Bitte tu uns net so quälen. Wir stehn doch treu zur FPÖ.
Si-ha, wir werd’n di weiter wählen. Neuer Name, alter Schmäh.

Wie immer wenn nix weitergeht, zündet irgendwo ein Licht.
Wenn rechte Phantasie still steht, denkt sich was aus ein linker Wicht.
Wer den neuen Namen hat geboren, weiß zum Glück kein Burschenschafter.
Sonst würde dem der Kopf geschoren, bekäm das Schwert er in den …
Im Internet, in einem fort, missbraucht von linkestlinken Zecken
liest man seitdem das Kosewort für all die stolzen, blauen Recken.

Hör sie an die Effen, wie sie schimpfen, wie sie kläffen.
Wie hasserfüllt sie keifen, Nachbarn, Mitmenschen verpfeifen.
Mies, infam, ohne Scham, hetzen und verletzen, sich das Maul zerfetzen.
Effenkrone- Effenzone, Effenschaukel –Effengegaukel,
Effengehöhne, Effengedröhne, Heimat, bist du großer Söhne!
Oh, du mein Österreich! Oh, du, mein Heimatland!
’s ist ist eine Effenschand’, was passiert im Land!

Weißt du, wie ein Effe ist? Wenn nicht, verrate ich es dir.
Die Stelz'n er im Festzelt frisst, bei paschn, schunkeln, Schnaps und Bier.
Dabei wird fest politisiert. Man übt gesundes Volksempfinden.
Dem Hazeh wird laut applaudiert, weil dieses Mannes Worte zünden. .
Bei Abendland in Christenhand reißt es so manche Arme hoch.
Und nimmt der Durst dann überhand, bestellt man rasch drei Biere noch.

Die Moslems liebt der Effe nicht. Er fühlt sich vom Islam bedroht.
Von Hass verengt ist seine Sicht, die Sprache primitiv verroht.
Bedroht wird uns’re deutsche Sprache, verwässert Essgewohnheit und die Kunst.
So redet er, der HC Strache, der Sprache und Kultur verhunzt.
Er wähnt bedroht das Schweinebratl, mit Kümmel und mit Bratkartoffeln
vom Kümmeltürk mit schwarzem Bartel in schweißelnden Kamelpantoffeln.

Hör sie an die Effen, wie sie schimpfen, wie sie kläffen.
Wie hasserfüllt sie keifen, Nachbarn, Mitmenschen verpfeifen.
Mies, infam, ohne Scham, hetzen und verletzen, sich das Maul zerfetzen.
Effenkrone- Effenzone, Effenschaukel –Effengegaukel,
Effengehöhne, Effengedröhne, Heimat, bist du großer Söhne!
Oh, du mein Österreich! Oh, du, mein Heimatland!
’s ist ist eine Effenschand’, was passiert im Land!

Nennt man ihn „Nazi“, gibt’s Geheule. Das mag der Effe niemals nicht.
Er schreit dann plärrend „Nazikeule!“, wenn einer mal die Wahrheit spricht.
„Die Nazis sind längst ausgestorben“, behauptet er dann selbstbewusst.
Und gleichzeitig, braun und verdorben, wird gegen Juden frech gehusst.
Mit damals kann man’s nicht vergleichen. Man spricht es ja nie direkt aus.
Man schimpft ja nur über die Reichen, an der Ostküste, im weißen Haus.

Der Effe ist vom Feind umringt, Grüne, Juden, Kommunisten,
und was ihn stets in Rage bringt, sind linkeslinke Sozialisten.
Unternehmer, Sklaventreiber, Studenten, rote Flintenweiber,
Sozialschmarotzer, Journalisten, Künstler, Lehrer, Feministen,
ORF und Immigranten, ÖGB und Asylanten,
alle haben sich vereint. Alle sind des Effen Feind.

Hör sie an die Effen, wie sie schimpfen, wie sie kläffen.
Wie hasserfüllt sie keifen, Nachbarn, Mitmenschen verpfeifen.
Mies, infam, ohne Scham, hetzen und verletzen, sich das Maul zerfetzen.
Effenkrone- Effenzone, Effenschaukel –Effengegaukel,
Effengehöhne, Effengedröhne, Heimat, bist du großer Söhne!
Oh, du mein Österreich! Oh, du, mein Heimatland!
’s ist ist eine Effenschand’, was passiert im Land!

Mir fällt, ja, Leute, ich gestehe, das Essen fast aus dem Gesicht,
wenn ich nur einen Effen sehe, der vom Volksempfinden spricht.
Man sieht in keinen Menschen rein, doch manchmal bricht’s aus ihm heraus.
Und es entpuppt sich oft als Schwein, was wohnt mit dir im selben Haus.
In Geiselhaft ist dieses Land, voll Zorn und Angst und tief entzweit,
Ich rieche schon den nächsten Brand, ganz deutlich. Er ist nicht mehr weit.


Wir wandern unter Bäumen weit vom Meer,
jedoch das Sternenlicht,
des Westens, wir vergessen's nicht.

Vingilot

RE: Wortverdrehungen und Spinnereien

#8 von Vingilot ( gelöscht ) , 22.05.2010 11:59

Schwarzer Sand

Endlos scheinen die Strände Südislands.
Schwarz ist der Sand, feinkörnig, warm und glitzernd, wie Sand sein sollte, nur eben schwarz, schwarz wie Kohle.
Es ist Anfang August, halb elf Uhr nachts. Die Sonne steht tief im Westen. Bald wird sie hinter den Bergen versinken. Ich wandere entspannt, ohne Eile, denn ich weiß, es wird trotzdem nicht dunkel werden, nur sanft dämmrig.

Schwarzer Sand. Welch exotischer Anblick!
Er färbt das Meer wie ich es nie zuvor sah. Flaches Wasser auf Schwarz formt es zum Spiegel, leuchtend wie flüssiges Silber, wenn die Sonne scheint, möwengrau, wenn Wolken das Licht dämpfen. Und kalt und weiß ist der Meerschaum, der meine Füße umspült.
Keine Muscheln, keine Algen, kein Treibholz,
nur gelegentliche schwarze Kiesel, die das Meer ausspeit und einsaugt, ausspeit und einsaugt, schleift und formt, zerreibt, zermahlt zu schwarzem Sand.

Schwarzer Sand, Meer und Wind.
Von Westen kommt der Wind, heftig und rau, aber nicht kalt.
Er trägt das Meeresrauschen mit sich und die fernen Schreie von Seevögeln, sonst nichts.
Vor mir erstreckt sich der endlose Strand, Meeressilber und schwarzer Sand, sonst nichts, kein Haus, kein Baum, kein Müll, kein Mensch, ja, nicht einmal Spuren.
Schlichte, glatte, harmonische Perfektion.

Keine Spuren.
Ich drehe mich um und blinzle gegen die untergehende Sonne.
Draußen, vor der Küste ragen drei bizarre, scharfkantig nadelspitze Felstürme schwarz aus dem Silbergrau. Drei Trolle sind es, die ins Meer wateten, vom Licht der Sonne überrascht wurden und zu Stein erstarrten, so erzählen sich die Isländer.
Ansonsten ... Leere.
Leere vor mir, Leere hinter mir. Schwarzer Sandstrand ohne Spur.

Keine Spuren?
Mit nackter Zehe ziehe ich eine Linie in den nassen Sand. Das Meer speit und saugt, verwäscht sie rasch zu schwarzer, glatter Perfektion.
Bequem und schnell bin ich gewandert auf nassem, festen Sand und hinterließ keine Spuren.
So steige ich höher, dort wo das Meer nicht hinkann, stapfe durch die lose feinkörnige Wärme, gehe langsam und mühsam und hinterlasse Spuren ...,
für eine Weile.
Der Wind weht. Er schleift und verwischt, schleift und verwischt, wandelt langsam aber gewiss alles in glatte, schwarze Perfektion.
So baue ich eine kleine Pyramide aus Kieseln, ich weiß nicht warum.
Klaube lange und mühsam, schichte Stein auf Stein, um eine Spur zu hinterlassen.

Schließlich verweile ich, stehe reglos im dämmrigen Zwielicht der Nordsommernacht.
Der Schaum umspült mich.
Ich schaue auf das graue Meer, wie es saugt und speit und ich habe Tränen in den Augen.
Heiß und kalt überläuft es mich. Eine Kraft ist anwesend, plötzlich aus dem Nichts, hier im nichts. Sie ist nicht ignorierbar. Sie ist nicht leugbar. Sie ist überwältigend.
Es ist, als würde ich aufgefordert, niederzuknien und zu weinen.
Ich bleibe stehen, hilflos trotzig aber glücklich.
Ja, ich bin glücklich.

Lange stehe ich so.
Dann wandere ich weiter, bis lange nach Mitternacht.
Die Steinpyramide habe ich auf dem Rückweg nicht wieder gefunden.
Habe ich sie übersehen?
Es ist einerlei.
Es wird letztendlich keine materielle Spur von Dauer sein,
nicht die kleinste,
von mir,
von uns
im Saugen, Speien, Schleifen und Formen,
im Mahlstrom des Unbegreiflichen.

Die schwarzen Strände von VIK (Südisland),
herzzerreißend schön.
Wer einmal dort gewandelt ist, vergisst sie nie wieder.


Wir wandern unter Bäumen weit vom Meer,
jedoch das Sternenlicht,
des Westens, wir vergessen's nicht.

Vingilot
zuletzt bearbeitet 22.05.2010 12:01 | Top

RE: Wortverdrehungen und Spinnereien

#9 von Vingilot ( gelöscht ) , 30.07.2010 15:58

Sauereien:
Ein Bauer besuchte mit seinen drei Viechern, einer Kuh, einer
Ziege und einer Sau das Parlament in Wien.
"Seht euch um, meine Lieben", sprach er, "und lernt."
Nach einer Weile kam die Kuh heraus und muhte kläglich: "Hier wird man nur gemolken".
Wenig später erschien die Ziege und ergänzte: "Da drinnen wird nur gemeckert".
Nur die Sau ließ nicht mehr blicken.

Daraufhin ging der Bauer ins Bundeshaus hinein, um nachzusehen.
Schließlich kam ihm das Schwein freudig grunzend entgegengelaufen.
"Hier gefällt es mir!" grunzte das Rüsseltier. "Einen derart verschwenderischen Saustall kann es nirgendwo sonst geben."
Und es versteckte sich quiekend in der hintersten Abgeordnetenbank, achtete darauf, ja nicht aufzufallen und tauchte so in der Menge unter."

Der Bauer fuhr traurig nach Hause in die Provinz und sann darüber nach, was zu tun sei. Er wollte seine Sau zurück.
Am nächsten Tag packte er einige Utensilien auf den Traktor und tuckerte zurück in die große Stadt.
"Komm heraus, Schweindi!", versuchte er das treulose Viech zu locken. "Kriegst auch ganz frisch eingestreut."
Doch die Sau dachte nicht daran. Im Gegenteil. Sie ließ sich vom Parlamentsdiener eine Tube Loctite bringen und klebte sich damit am Sessel fest.
"Bitte, Schweindi!", flehte der Bauer. "Kriegst auch ein extra großes Happi-Happi!"
Die Sau verschluckte sich beinahe vor Lachen, während sie immerzu aus einem goldenen Trog schmatzte, der übergroß war und unerschöpflich schien.
Da musste der Bauer zum letzten Mittel greifen.
"Wahlkampf!", rief er laut in die schmatzende Runde.

Und siehe da: Aufgeregt quiekend bequemten sich alle Schweindln aus dem Saale auf die Straße, frisch gewaschen und parfümiert. Sie machten Diener und Knickse, erbauten alle Menschen mit ihrem freundlichsten Gegrunze, wälzten sich in Versprechungen und Einsicht, dass es eine rechte Freude war. Sie verteilten Leckerlis aus dem Sautrog ...
Was machte es schon, dass sie die Zuckerl ausgerechnet an jene verteilten, die sie bezahlt hatten, und von denen sie vieltausendfach mehr Süßigkeiten selbst gefressen hatten?

Fürwahr, es war ein prächtiges Bild.
Der Bauer aber fuhr erneut nach Hause, tief in seinem Inneren erschüttert.
Leider, leider fand er seinen Hof nicht wieder.
Das heißt ... er fand ihn schon, nur gehörte er ihm nicht mehr.
Die Schweindl hatten ihn längst verpfändet, um ihre Wahlversprechen zu finanzieren.

Seitdem darf der Bauer als Knecht an dem Hof arbeiten, der ihm einst gehörte ...
und er war soo dankbar dafür!


Wir wandern unter Bäumen weit vom Meer,
jedoch das Sternenlicht,
des Westens, wir vergessen's nicht.

Vingilot
zuletzt bearbeitet 30.07.2010 16:00 | Top

RE: Wortverdrehungen und Spinnereien

#10 von lei , 31.07.2010 11:08

da ich meinerseits keinen hang verspüre, selbst zu dichten,

möchte ich auf einen link verweisen.

viel spass

http://www.dasbergwerk.de/Texte/20Kiesewetter.html

 
lei
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Gedanken......
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