Was haltet Ihr von den 68ern?

#1 von Klaus Pfahl , 23.11.2013 01:57

So sehen sie heute aus:

563-hippie-oma.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

Honoré de Balzac

 
Klaus Pfahl
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RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#2 von Gulliver , 23.11.2013 02:10

Kurz und bündig:
Nichts.
Eine verirrte Generation.

 
Gulliver
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RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#3 von bär ( gelöscht ) , 23.11.2013 04:18

Zitat von Blitz im Beitrag #1
So sehen sie heute aus:


Stimmt ja gar nicht.

Was ich von denen halte? Sie waren wichtig für Deutschland. Sie gaben uns ein globales Bewusstsein und räumten mit dem Spießertum und dem Mief der unmittelbaren Nachkriegsjahre auf. Kurz: sie waren verdammt wichtig. Natürlich zum Leidwesen aller Verknöcherten, die sogar heute noch über sie wettern.

Ich hätte damals gern gelebt, in der Aufbruchstimmung in eine neue Zeit. Es muss faszinierend gewesen sein.


bär
zuletzt bearbeitet 23.11.2013 04:21 | Top

RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#4 von Schiffskatze , 23.11.2013 06:59

Zitat von bär im Beitrag #3
Zitat von Blitz im Beitrag #1
So sehen sie heute aus:


Stimmt ja gar nicht.

Was ich von denen halte? Sie waren wichtig für Deutschland. Sie gaben uns ein globales Bewusstsein und räumten mit dem Spießertum und dem Mief der unmittelbaren Nachkriegsjahre auf. Kurz: sie waren verdammt wichtig. Natürlich zum Leidwesen aller Verknöcherten, die sogar heute noch über sie wettern.

Ich hätte damals gern gelebt, in der Aufbruchstimmung in eine neue Zeit. Es muss faszinierend gewesen sein.



So faszinierend war die Zeit nun auch wieder nicht. Es wurden von der Jugend zwar längst überfällige Fragen gestellt, aber es ging auch teilweise in eine radikale Richtung. Trotzdem war es eine Zeit, die für die Bundesrepublik sehr wichtig war. Denn auch diese Ära hat das Land nachhaltig geprägt. Vieles war danach nicht mehr wie es vorher war. Der Slogan unter den studentischen Jugendlichen lautete "Macht kaputt, was euch kaputt macht."
Eigentlich ist der Satz auf die heutigen politischen Verhältnisse übertragbar. Aber so rebellisch, wie ich mir das von der heutigen Jugend wünschen würde, ist sie nicht. -
Andernorts wurde der Prager Frühling niedergewalzt, die Jugend in den USA protestierte gegen den Vietnam-Krieg und in der Bundesrepublik waren Studentenunruhen und Polizeigewalt gegen die Protestierenden fast schon an der Tagesordnung.
Ich schreibe bestimmt noch mehr dazu, aber ich komme grad`aus der Nachtschicht.


 
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RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#5 von kritisches_Auge , 23.11.2013 16:19

Was ich davon halte? Sehr viel, ich hätte mich ihnen zwar nicht angeschlossen, aber es war Bewegung da, Nachdenken, Reflektieren.

 
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RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#6 von bär ( gelöscht ) , 23.11.2013 18:04

Zitat von kritisches_Auge im Beitrag #5
Was ich davon halte? Sehr viel, ich hätte mich ihnen zwar nicht angeschlossen, aber es war Bewegung da, Nachdenken, Reflektieren.


In rechtslastigen Foren (cpf z.B.) wird oft versucht die 68er madig zu machen. Auch auf die Grünen ist das rechtsextreme Gesocks nicht gut zu sprechen. Seltsam, oder?

bär

RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#7 von bollerkopp , 23.11.2013 18:19

Schluss mit den Mythen von 68!Die vermeintlich Antiautoritären waren politisch totalitär. Sie haben nicht der Freiheit den Weg gebahnt, sondern dem Terror und staatlicher Unterdrückung.
Nur wenige von denen, die wirklich dabei waren, bringen heute den Mut auf, zu sagen, was war - und sich zu den Irrtümern des Aufruhrs zu bekennen. Daniel Cohn-Bendit ist so einer. Er benennt etwa die Mitverantwortung der Studentenbewegung für den deutschen Terrorismus. Andere verwischen oder vertuschen lieber. Oder maßen sich eine historische Kontinuität an, die ihnen nicht zusteht. Etwa Joschka Fischer, der sich in sein Außenminister-Büro ein Willy- Brandt-Bild von Andy Warhol hängen ließ. Brandt - der galt damals in der Bewegung als völlig abseits, jenseits der Barrikaden.Johannes Weinrich, der zum Adjutanten des Auftragsterroristen Carlos wurde, Wilfried Böse, der eine Air-France-Maschine nach Entebbe entführte und dort jüdische Passagiere selektierte, Hans-Joachim Klein, der beim Opec-Überfall in Wien dabei war, sie kamen aus der Frankfurter Szene, waren dort bekannte Figuren, bevor sie verschwanden und in die verbrecherische Tradition der Nazi-Generation rutschten, die sie einst bekämpfen wollten. Politisch waren die 68er - grosso modo - der in totalitäres Denken verirrte Ausläufer eines Veränderungsprozesses, der schon vor ihnen begonnen hatte. Das ist nicht Anlass für Heldengesänge, sondern für Scham.


Gruß Bollerkopp

 
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RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#8 von bär ( gelöscht ) , 23.11.2013 19:12

Zitat von bollerkopp im Beitrag #7
Schluss mit den Mythen von 68!Die vermeintlich Antiautoritären waren politisch totalitär. Sie haben nicht der Freiheit den Weg gebahnt, sondern dem Terror und staatlicher Unterdrückung.


Das ist zu kurz gedacht. Natürlich hatte auch die RAF ihren Ursprung in der 68er-Bewegung, aber das ist eine Ausnahme. Ein militanter Kamof gegen "das System" war nicht Bedingung. Es ging eher darum das Denken der Menschen zu verändern. Und das haben die 68er definitiv geschafft. In der Geschichte der BRD nehmen sie eine herausragende Rolle ein. Und das ist mitnichten ein Mythos.

Möglicherweise ist es auch ein Verdienst der 68er, dass der Rechtsextremismus heute in Deutschland chancenlos ist.

bär

RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#9 von bollerkopp , 23.11.2013 23:41

Zitat
In der Geschichte der BRD nehmen sie eine herausragende Rolle ein.




Was war mit der »Rote-Armee-Fraktion« (RAF) , die nach den Namen zweier ihrer Anführer auch Baader-Meinhof-Gruppe genannt wurde? Mit Brandanschlägen auf Kaufhäuser hatte es 1968 begonnen, später folgte eine Serie von Bombenanschlägen, vorwiegend gegen Einrichtungen der Polizei oder der amerikanischen Armee. Die terroristischen Aktivitäten der RAF standen anfangs noch unter einer Sozialrevolutionären Zielsetzung, während sie später vor allem der Freipressung inhaftierter Terroristen dienten und schließlich in Gewaltausübung um der Gewalt willen übergingen. Die Terroristen arbeiteten aus dem Untergrund, sie hatten anfänglich mithilfe von Sympathisanten ein Netz von Stützpunkten aufgebaut. Durch Banküberfälle verschafften sie sich Geldmittel, durch Einbrüche in Behörden erbeuteten sie Blankoausweise und Stempel für die Anfertigung von falschen Pässen. Am l. Juni 1972 gelang der Polizei in Frankfurt am Main Gottseidank die Festnahme der führenden RAF -Mitglieder.
Das schlimme war, das die RAF in der Haft ihren Kampf gegen die westdeutsche Gesellschaft fortgesetzt haben. Sie riefen zu neuen terroristischen Aktionen auf und setzten das Mittel des Hungerstreiks ein. Der Häftling Holger Meins starb an den Folgen des Hungerstreiks trotz Zwangsernährung. Einen Tag später, am 10. November 1974, ermordeten RAF- Mitglieder den Berliner Kammergerichtspräsidenten Günther von Drenkmann. Mit der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz am 27. Februar 1975 erpresste ein Terrorkommando der »Bewegung 2. Juni«, dass fünf inhaftierte Gesinnungsgenossen nach Südjemen ausgeflogen wurden. Der von Bundeskanzler Schmidt geleitete Krisenstab hatte beschlossen, zur Rettung eines Menschenlebens rechtsstaatliche Grundsätze auszusetzen und den Terroristen nachzugeben. Eine weitere Demütigung des Staates wollte die Bundesregierung nicht hinnehmen, sie war aber auch bemüht, nicht durch Überreaktion einen Polizeistaat einzuführen.
Die 68er wollten revoltieren! Sie haben doch nur Türen eingerannt, die längst offen standen!


Gruß Bollerkopp

 
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RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#10 von Klaus Pfahl , 24.11.2013 01:49

Die Zeit hatte ich in Deutschland nur so am Rande zur Kenntnis genommen. In den Jahren wärend des Vietnamkrieges war ich bei der Marine als Soldat fast ständig an Bord. Als Sympatisant dieser Bewegung hätte meine Karriere schnell ein Ende gefunden. Konservativ erzogen wäre das ohnehin nicht mein Fall gewesen. Meine jüngere Schwester kannte noch die Mitglieder der Kommune 1, aber auch sie hatte sich besonnen und einen Konservativen geheiratet.


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

Honoré de Balzac

 
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RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#11 von bär ( gelöscht ) , 24.11.2013 05:48

Zitat von Blitz im Beitrag #10
Die Zeit hatte ich in Deutschland nur so am Rande zur Kenntnis genommen. In den Jahren wärend des Vietnamkrieges war ich bei der Marine als Soldat fast ständig an Bord. Als Sympatisant dieser Bewegung hätte meine Karriere schnell ein Ende gefunden. Konservativ erzogen wäre das ohnehin nicht mein Fall gewesen.


Die Eltern vieler 68er waren erzkonservativ. Die Verlogenheit und Heuchelei des deutschen Konservatismus hat IMHO viel dazu beigetragen, dass die 68er entstanden sind.

Für mich ist der Konservatismus eine Vorstufe zum Rechtsextremismus.

bär

RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#12 von Schiffskatze , 24.11.2013 09:03

Zitat
Oder maßen sich eine historische Kontinuität an, die ihnen nicht zusteht. Etwa Joschka Fischer, der sich in sein Außenminister-Büro ein Willy- Brandt-Bild von Andy Warhol hängen ließ.



Fischer, Teinahme an Strassenschlachten, bekämpfte einst das, wofür er heute steht. Mutierte zum Lobbyisten für Siemens, BMW, RWE und befürwortete Kriegsbeteiligungen. Was für eine Wandlung.



 
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RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#13 von kritisches_Auge , 24.11.2013 15:01

Fern von aller Politik meine ich, dass man nicht das Extreme dieser Bewegung sehen sollte, Extreme gibt es immer, ich selber wäre viel zu unpolitisch gewesen um damals mitzumachen.
Ich habe Freunde die in der Zeit aktiv waren, auf friedlichem Wege, sie haben gelesen, sie haben nachgedacht und ziehe ich den weiblichen und männlichen Girlies von heute vor.

 
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RE: Was haltet Ihr von den 68ern?

#14 von bär ( gelöscht ) , 24.11.2013 15:34

Zitat von Schiffskatze im Beitrag #12

Fischer, Teinahme an Strassenschlachten, bekämpfte einst das, wofür er heute steht. Mutierte zum Lobbyisten für Siemens, BMW, RWE und befürwortete Kriegsbeteiligungen. Was für eine Wandlung.


Nicht wirklich. Fischers Hauptanliegen war schon immer die spektakuläre Selbstinszenierung. Damals als linker Revoluzzer und dann als parlamentarischer Bad-Boy. Wie er zum Ende seiner Amtszeit hin mit Journalisten spielte, um zu einer möglichst vorteilhaften Darstellung seiner Person zu gelangen, macht ihm so schnell niemand nach.

bär

   

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