Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#1 von Klaus Pfahl , 15.03.2013 20:09

Zitat
1990 wurde die in Berlin aufgewachsene Debra Milke in den USA zum Tode verurteilt. Jetzt hat sie gute Chancen, auf eine Zukunft in Freiheit.



http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/h...en/7937934.html

Ich verfolge den Fall bereits seit Jahren und hatte vor einiger Zeit eine Petition unterschrieben. Nun besteht doch noch Hoffnung, dass ihr Fall neu aufgerollt und ihre Unschuld bewiesen wird.


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#2 von Friesenkrabbe , 15.03.2013 20:15

Das wünsche ich ihr auch!

 
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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#3 von GG146 , 15.03.2013 21:55

Zitat von Blitz im Beitrag #1
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/hoffnung-auf-leben-todeskandidatin-koennte-nach-22-jahren-frei-kommen/7937934.html

Ich verfolge den Fall bereits seit Jahren und hatte vor einiger Zeit eine Petition unterschrieben. Nun besteht doch noch Hoffnung, dass ihr Fall neu aufgerollt und ihre Unschuld bewiesen wird.


Nicht sie muss ihre Unschuld, sondern die Ankläger müssen ihre Schuld beweisen. Das haben sie nämlich bislang nicht getan, sonst würde der Prozess nicht wegen Unverwertbarkeit der im ersten Prozess verwendeten Beweise neu aufgerollt werden:

Zitat
Nun könnten die Jahre des Wartens und Bangens für „Debbie“ ein für alle Mal vorüber sein: Ein Berufungsgericht setzte die gegen sie verhängte Todesstrafe am Donnerstag aus. Akten der Staatsanwaltschaft, die ein angebliches Geständnis Milkes enthalten und Grundlage des Todesurteils waren, dürfen ab sofort nicht mehr verwendet werden.

Der Staat Arizona hat nun 90 Tage Zeit, den Fall Milke neu aufzurollen – oder muss die Todeskandidatin in die Freiheit entlassen.



Das Urteil auf die Aussage dieses Dreckskerls zu stützen war jedenfalls so gut wie ein Todesurteil ohne jeden Beweis:

Zitat
Debra Milke wurde nur aufgrund der Aussage eines dubiosen Ermittlers verurteilt! Es gab ansonsten keine Verbindung der jungen Mutter zu dem Verbrechen, stellt der Oberste Richter des neunten Berufungsgerichtes, Alex Kozinski, jetzt fest.

„Die Verfassung fordert einen gerechten Prozess. Das war bei Milke nicht der Fall“, erklärte Kozinski.


Grund: Der damalige Richter und die Geschworenen wussten „nicht von Saldates Geschichte, dass er bereits unter Eid gelogen und weitere Verfehlungen begangen hatte.“ Saldate war zuvor unter anderem wegen einer Lüge bereits mehrere Tage vom Dienst suspendiert worden.



http://www.bild.de/news/ausland/todesstr...19496.bild.html

 
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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#4 von Klaus Pfahl , 15.03.2013 22:04

Wer sich in den USA keinen vernünftigen Anwalt leisten kann hat sehr schlechte Karten. Da lobe ich doch unsere Justiz.


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aber das Vergessen allein macht es erträglich.

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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#5 von GG146 , 15.03.2013 22:30

Zitat von Blitz im Beitrag #4
Wer sich in den USA keinen vernünftigen Anwalt leisten kann hat sehr schlechte Karten. Da lobe ich doch unsere Justiz.


Sagen wir mal so: Die Defizite der deutschen bzw. der kontinentaleuropäischen Justiz sind im Strafrechtsbereich allgemein das kleinere Übel im Vergleich zu dem haarsträubenden Murks, den die Amis mit ihrer alttestamentarischen Rachejustiz regelmäßig vorführen. Aber das kleinere Übel im Vergleich zu einem noch größeren Übel zu sein, ist kein Grund, auf eine Strafrechtspflege mit immer noch einer sehr hohen Fehlerquote stolz zu sein.

Soweit es aber speziell Wiederaufnahmeverfahren wie hier betrifft, sieht es m. M. n. in Deutschland noch finsterer aus als in den USA. Hier werden solche Anträge meist rigoros abgebügelt, während die Amis zumindest bei Todesurteilen etwas vorsichtiger im Umgang mit neuen Beweisen sind. Da wäre ein Fehler ja auch absolut unverzeihlich, während die Verurteilten in Deutschland nach einem so langen hin und her wie im Fall Milke sowieso bald herauskommen.

 
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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#6 von Klaus Pfahl , 15.03.2013 23:09

Gebe Dir da vollkommen Recht. Nur hat in Deutschland jeder Verurteilte die Chance zu jeder Zeit seine Unschuld nachträglich zu beweisen. Wer wie in den USA erst einmal ins Jenseits befördert wurde hat keine Chance mehr dazu.
Aber ich bin kein Rechtskundiger und kann das nicht so richtig beurteilen. Auf keinen Fall würde ich als Unschuldiger mit einem drittklassigen Anwalt von einem US-Gericht verurteilt werden.


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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#7 von Schiffskatze , 16.03.2013 11:10

Zitat von Blitz im Beitrag #6
Gebe Dir da vollkommen Recht. Nur hat in Deutschland jeder Verurteilte die Chance zu jeder Zeit seine Unschuld nachträglich zu beweisen. Wer wie in den USA erst einmal ins Jenseits befördert wurde hat keine Chance mehr dazu.
Aber ich bin kein Rechtskundiger und kann das nicht so richtig beurteilen. Auf keinen Fall würde ich als Unschuldiger mit einem drittklassigen Anwalt von einem US-Gericht verurteilt werden.


Wenn Du in die Fänge eines schlampig ermittelnden Beamten gerätst, hast Du keine Garantie, dass Du nicht unschuldig verurteilst wirst.


Zitat
Grund: Der damalige Richter und die Geschworenen wussten „nicht von Saldates Geschichte, dass er bereits unter Eid gelogen und weitere Verfehlungen begangen hatte.“ Saldate war zuvor unter anderem wegen einer Lüge bereits mehrere Tage vom Dienst suspendiert worden.


http://www.bild.de/news/ausland/todesstr...19496.bild.html


 
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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#8 von Klaus Pfahl , 16.03.2013 12:17

Ich habe jedenfalls eine Petition unterschrieben. Wer möchte kann es auch tun, geht auch auf Deutsch:

https://www.change.org/petitions/governo...overnment#share


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#9 von Schiffskatze , 16.03.2013 12:34

Zitat von Blitz im Beitrag #8
Ich habe jedenfalls eine Petition unterschrieben. Wer möchte kann es auch tun, geht auch auf Deutsch:

https://www.change.org/petitions/governo...overnment#share



Mitgezeichnet.


 
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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#10 von GG146 , 16.03.2013 14:28

Heute auf Facebook gesehen:



Der Trend könnte sich allerdings wieder umkehren. In den USA haben in der Vergangenheit schon einige Bundesstaaten (insbesondere nachdem erschreckende Fehlurteile durch die Medien gegangen waren) die Vollstreckung der Todesstrafe generell ausgesetzt, aber später (nach Medienberichten über besonders schwere Verbrechen) die Hinrichtungen wieder aufgenommen.

 
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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#11 von Klaus Pfahl , 20.03.2013 22:22

Läuft gleich ein Bericht im Stern-TV im RTL


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#12 von Proconsul48 , 24.03.2013 17:17

22 Jahre Haft kannst du mit keiner Summe Geldes wieder gut machen....

 
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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#13 von Laura , 24.03.2013 22:46

Ich finde auch, dass ein Schuldspruch nicht auf eine Erfindung eines einzigen Polizisten gefällt werden darf. Aber in den USA ticken die Uhren anders. Noch ist diese Debora nicht aus dem Schneider. Wenn sich der Staatsanwalt Tom Home durchsetzt, wird diese Frau vielleicht doch noch hingerichtet.

http://www.berliner-kurier.de/panorama/b...4,22132540.html


Heute ist der 1. Tag von dem Rest meines Lebens.

 
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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#14 von Schiffskatze , 25.03.2013 07:25

Zitat von Laura im Beitrag #13
Ich finde auch, dass ein Schuldspruch nicht auf eine Erfindung eines einzigen Polizisten gefällt werden darf. Aber in den USA ticken die Uhren anders. Noch ist diese Debora nicht aus dem Schneider. Wenn sich der Staatsanwalt Tom Home durchsetzt, wird diese Frau vielleicht doch noch hingerichtet.

http://www.berliner-kurier.de/panorama/b...4,22132540.html



Das wäre eine Katastrophe. Wir wollen nicht den Teufel an die Wand malen. -
Es wäre interessant zu erfahren, auf welche "Beweise" dieser Staatsanwalt die Anklage stützt.
Langsam kommt mir der Gedanke, dass ich fast jedem Richter eine Verurteilung zutraue, selbst wenn man plötzlich den wahren Schuldigen finden würde. Ja, leider traue ich das der amerikanischen Justiz zu.
Und ich bin der festen Überzeugung, wenn man Richter nachweisen kann, dass sie jemanden unschuldig zum Tode verurteilt haben und sie dafür hart bestraft werden , dann vllt doch nicht so leichtfertig jemanden auf den elektrischen Stuhl setzen.


 
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RE: Todeskandidatin 22 Jahre unschuldig im Todestrakt

#15 von Laura , 25.03.2013 20:46

Der inzwischen zum Generalstaatsanwalt befördete Tom Home will Gouverneur von Arizona werden. Wenn es um die Macht geht, dann kennen die kein Pardon und gehen über Leichen. W. Bush war früher Governeur von Texas und hat auch Unschuldige über die Klinge springen lassen.


Heute ist der 1. Tag von dem Rest meines Lebens.

 
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