Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#1 von Waldveilchen , 18.11.2012 13:38

Zitat
Wer im Senegal einkauft, findet auf den Märkten kaum einheimisches Obst und Gemüse: Die Tomaten kommen aus Italien, die Kartoffeln und Zwiebeln aus Holland. In den Geschäften ist es ähnlich: Dort steht Trockenmilch, importiert aus Europa. In Afrika, wo 85 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft und Viehzucht leben, können lokale Milchproduzenten ihre Milch nicht mehr verkaufen, weil die importierte Trockenmilch erheblich billiger ist.

Der Grund liegt in der Subventionspolitik der EU. Auch die Fischer Afrikas leiden darunter. Einst fuhren sie hinaus aufs Meer und kamen zurück mit reicher Beute. Doch heute gibt es kaum noch etwas zu fangen. Die Gewässer vor Mauretanien und dem Senegal sind leergefischt — von großen Fabrikschiffen, die von Europa, Russland oder Japan aus in See stechen. Die Rechte, vor ihren Küsten zu fischen, wurden den armen afrikanischen Ländern abgekauft — von der Europäischen Gemeinschaft. Weil senegalesische Fischer kaum noch Geld mit der Fischerei verdienen können, rüsten viele ihre Boote um und vermieten sie an Menschenhändler, die Flüchtlinge aus Westafrika auf die Kanarischen Inseln schleusen. Die Bilder sind bekannt. Wer Glück hat, überlebt den Höllentrip. Wer noch mehr Glück hat, kriegt einen spanischen Pass. Und wer das vollkommene Glück hat, findet einen Job. Zum Beispiel als Matrose. Auf einem spanischen Fabrikschiff, das vor der Küste Westafrikas fischt.


Wie die EU Afrika in die Armut treibt

Das ist nicht mehr schön und nicht richtig so.

 
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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#2 von Laura , 18.11.2012 22:46

Vielleicht sollten wir uns da heraushalten, schließlich soll die Welt ja nicht am deutschen Wesen genesen.


Heute ist der 1. Tag von dem Rest meines Lebens.

 
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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#3 von Proconsul48 , 21.11.2012 14:21

Den Konzernen gehört Einhalt geboten, die machen kleine Landwirte weltweit kaputt!!

 
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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#4 von Klaus Pfahl , 21.11.2012 16:40

Das liegt an der ganzen EU-Subventionspolitik, wie in Waldveilchens Link richtig bemerkt ist. Würden die Zuschüsse an die Landwirte in der EU gestrichen werden, hätten wir ein ernsthaftes Problem. Dann würden die Preise für Agrarprodukte in Europa für viele Menschen fast unbezahlbar werden. Außerdem würden unsere Exportüberschüsse sinken.

Die Länder in Afrika könnten ihre eigenen Bauern doch selbst subventionieren, damit sich ihre Produkte im Handel preisgünstiger vermarkten lassen. Diese Mittel werden aber leider für den Ankauf von Waffen zweckentfremdet. So sehe ich das als Wirtschaftslaie.


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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#5 von Proconsul48 , 23.11.2012 16:27

Du siehst das prinzipiell richtig. Statt der Bevölkerung eine Sicherung der Grundbedürfnisse zu schaffen, wird in Waffenkäufe investiert und von den Staatsoberhäuptern und Angehörigen in Saus und Braus gelebt...
Schlimm....

 
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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#6 von Clara , 23.11.2012 17:46

Die Länder in Afrika könnten ihre eigenen Bauern doch selbst subventionieren, damit sich ihre Produkte im Handel preisgünstiger vermarkten lassen. Diese Mittel werden aber leider für den Ankauf von Waffen zweckentfremdet. So sehe ich das als Wirtschaftslaie. [/quote]
Okay. Zustimmung ! Aber: - sorry -

Zitat: Würden die Zuschüsse an die Landwirte in der EU gestrichen werden, hätten wir ein ernsthaftes Problem. Zitat- Ende

Zum größten Teil wird hier in Deutschland die Landwirtschaft subventioniert, und ganz besonders "unverständlich" - milde ausgedrückt - finde ich, dass der Maisanbau für die so genannten Biogas-Anlagen subventioniert wird. Da wird schlicht und einfach Monokultur betrieben..staatlich " anerkannt !Es gibt kaum noch Weideland für Milchkühe, DAS" Geschäft" lohnt sich nicht mehr, nachhdem sich die EU für die unsägliche Milchquotenregelung entschied..nach der der Gurkennormregelung und anderen irrealen Fantastereien !
Auch dadurch werden die Getreidepreise in die Höhe getrieben ..in Deutschland!
Sorry, war nur ein kleiner "Zwischenruf "


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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#7 von Klaus Pfahl , 23.11.2012 19:07

Clara, stimmt!
In Deutschland werden in zunehmendem Maße landwirtschaftliche Flächen für die Energiegewinnung zweckentfremdet. Als Ausgleich wird dafür "land grabbing" in immer größeren Ausmaßen betrieben. Der Ankauf bzw. langfristige Mietverträge kannte man bisher nur in Afrika. Jetzt betreiben es auch Deutsche und Österreicher im großen Stil:

http://diepresse.com/home/wirtschaft/eco...nserer-Haustuer


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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#8 von Volkerseitz , 24.11.2012 16:46

Zu Fangrechten im Senegal:Es wird bei uns und von autokratischen Regimen in Afrika gebrandmarkt, dass die einheimischen Fischer unter illegalen Plünderung ihrer Fischgründe leiden. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Es zeigt sich immer wieder, dass die Regierungen gegen entsprechende Zahlungen Fanglizensen an ausländische Firmen vergeben. Die Fischer die ihr Einkommen verlieren erhalten aber keinen Ausgleich. Die öffentlichen Mittel werden entwendet. In einer Demokratie geht dies auch anders. Die neue Regierung Macky Sall im Senegal hat es im April 2012 vorgemacht. 29 Fanglizenzen für russische Trawler wurden annulliert, die der frühere Fischereiminister eigenmächtig und illegal vergeben hatte.
Er und seine Mitwisser sollen 642 Millionen Euro entwendet haben. Kamerun hat einen ernsthaften Kampf gegen Korruption generell und zum Schutz der Fischgründe noch vor sich.
Im Senegal ist der Wille zum Aufbruch und Reformen spürbar.Präsidenten Macky Sall hat als erster senegalischer Präsident seine Vermögensverhältnisse veröffentlicht. Er hat seine Regierung von 38 auf 25 Minister verkleinert. Eines der kleinsten Kabinette des Kontinents. Als Dienstfahrzeug nutzt er seinen privaten Geländewagen. Die ersten 6 Monate hat er ohne "faux pas" überstanden. 60 unnütze Agenturen wurden aufgelöst und teure Stellen nebst den üblichen Privilegien eingespart. Mit der Straflosigkeit für rechtswidrige Bereicherung wurde Schluss gemacht.("l'impunité, c'est fini"). Bekannte Fälle wurden den Gerichten übergeben. Die Erwartungen der Bevölkerung sind aber sehr hoch. Als erste Maßnahme hat er deshalb mittels Subventionen die hohen Preise für die Grundbedürfnisse der armen Bevölkerung gesenkt. Die Preise für Reis, Zucker und Gas wurden zwischen 5 und 15 % verringert. Er hat durch Umschichtungen im Haushalt 91,5 Millionen Euro für die Bauern zur Ernährungssicherung bereitgestellt. Es geht darum den bewässerbaren landwirtschaftlichen genutzten von bisher 80000 ha Boden zu vergrößern. Entsprechend nutzbar sind im Senegal bis zu 250000 ha. Obwohl nur 25 % der Bevölkerung in Dakar leben, werden heute 56 % aller öffentlichen Ausgaben für die Hauptstadt ausgegeben. Folge: immer größere Landflucht. Er will die hohe Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen, indem er bessere Voraussetzungen für Investitionen schafft. Weniger Arbeitslosigkeit wird die Armut senken. Besonderes Augenmerk will er auf den Kampf gegen Korruption und das Analphabetentum legen. Er hat ferner angekündigt, dass er der Verschwendung der Staatsausgaben Einhalt gebieten will , um mit den freigewordenen Mitteln die Wirtschaft anzukurbeln und in Gesundheit sowie Bildung/Ausbildung zu investieren.
Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#9 von Gast ( gelöscht ) , 24.11.2012 17:21

Ich bin ganz deiner Meinung, hätte es aber nicht so treffend schreiben können.

Gast

RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#10 von Clara , 24.11.2012 21:29

@Volkerseitz
Hochinteressanter Bericht mit sehr viel Insiderwissen.
Darf ich fragen, ob Sie im besonderen Maße "involviert" sind in die Infrastrukturen und Probleme Afrikas bzw. des Senegal ?
Informationen " ungefiltert" aus "erster Hand " zu bekommen finde ich sehr wichtig, weil "dank" des Internets ein gewaltiges Overflooding darin stattfindet.


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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#11 von Volkerseitz , 25.11.2012 07:53

An Clara. Ja, ich beschäftige mich seit über 40 Jahren mit Afrika und habe davon 17 Jahre in 7 Ländern gelebt und gearbeitet.Zahlreiche Freunde und Bekannte (darunter viele Afrikaner) versorgen mich ständig mit Situationsberichten aus dem Kontinent, damit meine Beobachtungen nicht veralten.
Über meine Erfahrungen habe ich 2009 ein Buch veröffentlicht. Es ist im September 2012 in sechster Auflage "runderneuert"
erschienen.
Beste Grüße
Volker Seitz

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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#12 von Clara , 25.11.2012 11:38

Zitat von Volkerseitz im Beitrag #11
An Clara. Ja, ich beschäftige mich seit über 40 Jahren mit Afrika und habe davon 17 Jahre in 7 Ländern gelebt und gearbeitet.Zahlreiche Freunde und Bekannte (darunter viele Afrikaner) versorgen mich ständig mit Situationsberichten aus dem Kontinent, damit meine Beobachtungen nicht veralten.
Über meine Erfahrungen habe ich 2009 ein Buch veröffentlicht. Es ist im September 2012 in sechster Auflage "runderneuert"
erschienen.
Beste Grüße
Volker Seitz


Dank für die Erläuterung ! Beneidenswert, derartige Erfahrungen machen zu können.Vielleicht können wir auch hier in diesem Forum von diesen Erfahrungen partizipieren ? Das wäre sicher sehr interessant und aufschlußreich .
Gratulation zur bemerkenswerten sechsten! Auflage des Buches ! Es ist auf meiner Lesewunschliste bereits notiert!

Respektvollen Gruß
Clara


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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#13 von Volkerseitz , 26.11.2012 07:46

Wer sich über Afrika imformieren möchte kann unter www.Bonner-Aufruf.eu stets aktuelle Nachrichten unter NEUES finden.

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RE: Wie die EU Afrika in die Armut treibt

#14 von Proconsul48 , 27.11.2012 21:36

Danke, Volker, für den Link!!

 
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