Zunahme des Rechtsradikalismus in Deutschland

#1 von peddor, der rüstersieler , 14.11.2012 12:19

Moin allerseits !

Am vorgestrigen Montag, teilweise auch schon zuvor, meldeten verschiedene Fernsehsender von der erschreckenden Zunahme des Rechtsextremismus in Deutschland. Dieser Meldung schlossen sich gestern unterschiedlichste Tageszeitungen an, wobei zu betonen ist, dass sie dies völlig unabhängig von ihrer politischen Tendenz / Gesinnung taten.

http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/...8,20854032.html


(“Rechtsextremismus ist ein Sammelbegriff für faschistische, neonazistische oder ultra-nationalistische politische Ideologien.“ (Quelle: dpa, 13. XI. 2012) )

Als Kind und Jugendlicher erlebte ich die unmittelbare Nachkriegszeit und konnte und wollte nicht begreifen, wie schon / noch damals vom Dritten Reich geradezu geschwärmt wurde. Seit Ende der 60er nahm jene Popularität brauner, rückwärts gerichteter Ideologie sprunghaft zu (Stichwort „Gründung der NPD“) und wurde in den folgenden Jahrzehnten immer mehr verharmlost, ja: tabuisiert. Ich erinnere nur daran, dass die verantwortlichen Politiker noch Anfang bis Mitte der 90er gebetsmühlenartig von „Einzeltätern“ sprachen, wohl wissend, dass der gefährlich braune Sumpf mehr und mehr auflebt.


Nun also liegen uns neue Studien vor, denen zufolge der Rechtsradikalismus eine Renaissance erlebt (eine Beleidigung jener blühenden mittelalterlichen Epoche gegenüber).

Besonders schockiert mich, dass der Zulauf zu den ewig Vorgestrigen unter den 14 – 30-Jährigen besonders groß ist.

Nein ! Mit Menschen- und / oder Lichterketten, Schweigemärschen, mit „Nazis raus !“-Rufen sowie Transparenten („Wir wollen keine Nazis !" „Bunt statt braun !“) ist es meines Erachtens längst nicht mehr getan.

„Geschichte ist die ewige Wiederkehr des Gleichen.“ Wollen wir diesen Kreislaufs des Leerlaufs durchbrechen, müssen wir endlich HANDELN, bevor unseren Enkeln Dasselbe widerfährt wie der Generation in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Aber vielleicht WILL die Mehrheit der Deutschen gar nicht handeln, weil sie ein wenig „Zucht und Ordnung“ „ganz okay“ findet ?!

Für die Realisierung des Slogans „Wehret den Anfängen !“ scheint es mir ohnehin viel (!!) zu spät, zumal es die Kriegs-Generation unserer Eltern sträflich versäumte, Aufklärung zu betreiben, so sie es denn wollte...

Also lasst uns retten, was zu retten ist.

Wer über meine apokalyptisch anmutenden Zeilen schmunzelt, verschließt die Augen vor der historischen Wirklichkeit oder ist – sei's drum – ein Rechter !

Ich sehe eine äußerst große Gefahr auf unser Land zukommen und die Behauptung, dass „es“ später wieder einmal niemand vorausgeahnt haben will.

Noch ein Gedanke zu der wahnwitzigen Idee, die NPD zu verbieten: Dieses Verbot hätte ausschließlich Alibi-Funktion der plumpesten Art und fatale Folgen: statt Ursachenforschung Symptom-Pseudo-“Bekämpfung“. Merke: Nirgendwo ist eine Organisation effektiver als in dem Untergrund, in den sie gedrängt wird !!


In diesem Staate ist vieles faul. Wie sagte einst Churchill: „So lange die Deutschen satt sind, sind sie ungefährlich !“ Ein Großteil der Bevölkerung ist nicht mehr satt !


Ich hoffe, mit meinen Spontan-Reflexionen eine sachliche Diskussion anregen zu können.


In diesem Sinne:

„Es gibt nichts Gutes
außer: Man tut es !“
(Erich Kästner)


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"Unser Wissen und unsere Weisheit kommen von den Sternen !
Die uns beschützenden KACHINAS haben sie uns übergeben !"
(Quezkal, Würdenträger der Hopi-Indianer)

 
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RE: Zunahme des Rechtsradikalismus in Deutschland

#2 von Proconsul48 , 14.11.2012 12:59

Wenn junge Menschen keine konkrete Zukunft vor sich sehen, neigen sie zu Extremen. Nimmt man eine andernorts festgestellte Neigung zu Aggressivität hinzu, dann rennen die jungen Leute dem Rechtsextrmismus die offene Tür ein.
Einige, die von Kirche und Glauben enttäuscht sind, tendieren nach "links", da ist die aggressive Komponente nicht so spürbar...

 
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RE: Zunahme des Rechtsradikalismus in Deutschland

#3 von Klaus Pfahl , 14.11.2012 13:23

@Peddor,
Super Eingangsbeitrag! Wie mir scheint, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen. In den neuen Bundesländern gilt bereits jeder 6. als rechtsextrem.

Zitat
In den ostdeutschen Bundesländern breitet sich rechtsextremes Gedankengut laut einer aktuellen Studie massiv aus. Seit 2006 hat sich die Gruppe der Menschen mit einem rechtsextremem Weltbild in Ostdeutschland von 6,6 auf 15,8 Prozent mehr als verdoppelt, so das Ergebnis einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. In Westdeutschland sei die Quote von 9,1 auf 7,6 Prozent dagegen geschrumpft.



http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgesc...remismus-studie

Nun sollten wir darüber diskutieren, welches die Gründe für die Radikalisierung sind.

Waren es in den 50er und 60er Jahren nur die ewig Gestrigen, die von der "guten alten Zeit" schwärmten, sind es heute hauptsächlich Jugendliche bis Mittdreißiger, die eine Systemänderung herbeiwünschen. Und das ist eine sehr gefährliche Entwicklung.
Das ewige Hickhack um das Verbot rechtsextremer Parteien hat inzwischen dazu geführt, dass die NPD eine Verfassungsklage eingereicht hat. Die obersten Richter in Karlsruhe sollen nun entscheiden, ob die Partei nach dem Grundgesetz verfassungswidrig ist oder nicht. Sollte die NPD von unseren Verfassungsschützern Recht bekommen, dann kann ich nur sagen "Gute Nacht Deutschland".

http://www.dradio.de/aktuell/1921048/


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
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RE: Zunahme des Rechtsradikalismus in Deutschland

#4 von Laura , 14.11.2012 16:53

Ich glaube nicht, dass es in Deutschland mehr Rechts- und Linksradikale gibt. Wäre das der Fall, sähen die Wahlergebnisse anders aus. Jeder Bürger hat das Recht national oder patriotisch zu sein. In unserem Land leben viele Türken, die man wirklich als radikale Nationalisten bezeichnen kann. Die werden seltsamerweise von den Linken und Grünen beklatscht und sogar unterstützt. Die Herrschaften um Claudia Roth sollten nicht mit zweierlei Maß urteilen.

Wer nach Gründe für einen angeblichen Rechtsruck sucht, sollte einmal das Buch von Thilo Sarrazin lesen "Deutschland schafft sich ab".


Heute ist der 1. Tag von dem Rest meines Lebens.

 
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RE: Zunahme des Rechtsradikalismus in Deutschland

#5 von Clara , 14.11.2012 22:37

Hallo Peter!

Erst einmal Respekt Deinem bemerkenswerten Kommentar,der nicht nur in seiner hervorragenden Rhetorik brilliant ist....sondern auch in seiner Aussage.


Nun zum angesprochenen Thema/respektive zur-sachlich! geführten- Diskussion,die unbedingt Grundlage zur Thematik sein sollte,..(wie ich meine)..:

Ich sehe es so..eine von vielen Meinungen

Ist es nicht nach wie vor ein Phänomen,nein,eigentlich eine Frage der "Ehre und der Moral,
wie in diesem Land Geschichtsklitterung nahezu kritiklos betrieben und sogar honoriert wird?
Da tut sich eine fließende Grenze auf, die in den Köpfen Derjenigen" wabert" ,die glauben, eine konservative bis erzkonservative politische Meinung vertreten zu wollen,zu können, die aber bereits so grenzwertig und rechtsradikal in ihrer eigentlichen Aussage ist,dass es einem die Sprache verschlägt.Denn sie wissen nicht,was sie tun???oder kollektive tumbe Deutschtümelei, die das Manko an Intellekt widerspiegelt?




Gerade mit dem Umgang der Deutschen Geschichte 1933-1945 ist m.E. höchste Sensibilität geboten,und DAS betrifft uns ALLE, die Kriegs-Nachkriegs-und heutige Generation. Es muss doch möglich sein, aus dem grauenhaften Geschehen des nationalsozialistischen menschenverachtenden Terrors und dem WK I u. II, die innerhalb eines Vierteljahrhunderts 2 x von deutschem Boden ausgingen,seine Lehren zu ziehen, die Erkenntnis zu gewinnen, dass SO ETWAS nie wieder passieren darf.
Da bleibt kein Raum für Abwägungen,Verschwörungstheorien und Verherrlichung zweifelhafter "Kriegshelden" ,verbaler Beleidigungen. Ein erbärmliches Armutszeugnis auch das Argument "Da war ich noch nicht geboren"oder etwa:"Nun muss aber endlich einmal Schluss sein mit der Erwähnung der "Deutschen Schuld".


Nein! Aufklärung tut Not, sich DEM Thema widmen, sich damit auseinander setzen..und wenn es noch so bitter ist.Erst dann können wir langsam beginnen,ein patriotisches Denken zu erlangen .

Wir haben aus dem Irrsinn mit seiner ganzen Grausamkeit gelernt,wir wissen darum und es wird für uns eine Obligation sein,dem entgegen zu wirken..mit aller Kraft,die uns zur Verfügung steht..!


DAS hätte Größe! Hätte..

Clara

PS.Thema"NPD-Verbot" Absolute Zustimmung.


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RE: Zunahme des Rechtsradikalismus in Deutschland

#6 von Gast ( gelöscht ) , 14.11.2012 23:05

Mich wundert das nicht,der Boden dafür ist gut vorbereitet.

Gast

RE: Zunahme des Rechtsradikalismus in Deutschland

#7 von GG146 , 15.11.2012 01:08

Zitat von Gast im Beitrag #6
Mich wundert das nicht,der Boden dafür ist gut vorbereitet.


Allerdings haben fast überall in Europa ähnliche gesellschaftliche Konflikte wie in Deutschland Rechtspopulisten einen erheblich Aufschwung beschert, sogar in den traditionell extrem liberalen / toleranten skandinavischen Ländern - nur in Deutschland nicht. Hierzulande haben die überhaupt nicht rechtspopulistischen Piraten den größten Teil des Protestwählerpotentials an sich binden können, was sie sonst nicht einmal in ihrem Mutterland Schweden geschafft haben.

Politik und mainstream Medien scheinen mit dem Konzept der systematischen gesellschaftlichen Ächtung alles Rechten doch recht erfolgreich zu sein.

 
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RE: Zunahme des Rechtsradikalismus in Deutschland

#8 von Laura , 15.11.2012 01:30

Zitat
Politik und mainstream Medien scheinen mit dem Konzept der systematischen gesellschaftlichen Ächtung alles Rechten doch recht erfolgreich zu sein.



Damit hat Du den Nagel auf den Kopf getroffen. Die deutsche Politik orientert sich leider Gottes mehr nach dem "mainstream" als nach den Notwendigkeiten.


Heute ist der 1. Tag von dem Rest meines Lebens.

 
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RE: Zunahme des Rechtsradikalismus in Deutschland

#9 von Proconsul48 , 15.11.2012 10:52

Zitat von Laura im Beitrag #4
Ich glaube nicht, dass es in Deutschland mehr Rechts- und Linksradikale gibt. Wäre das der Fall, sähen die Wahlergebnisse anders aus. Jeder Bürger hat das Recht national oder patriotisch zu sein. In unserem Land leben viele Türken, die man wirklich als radikale Nationalisten bezeichnen kann. Die werden seltsamerweise von den Linken und Grünen beklatscht und sogar unterstützt. Die Herrschaften um Claudia Roth sollten nicht mit zweierlei Maß urteilen.

Wer nach Gründe für einen angeblichen Rechtsruck sucht, sollte einmal das Buch von Thilo Sarrazin lesen "Deutschland schafft sich ab".



Möglicherweise doch...Ich bin mir nicht sicher, ob sich wirkliche Radikalinskis an Wahlen beteiligen, oder allenfalls ungültig wählen.
Das wachsende Potential an Gewaltbereitschaft und Radikalismus ist eine traurige Realität.

 
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RE: Zunahme des Rechtsradikalismus in Deutschland

#10 von Klaus Pfahl , 29.11.2012 21:07

Die "Gutbürgerlichen" machen es einem auch schwer sich zu entscheiden:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=Sgn0dWnfFx4


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

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zuletzt bearbeitet 29.11.2012 | Top

   

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