Sind Kleingärtner Spießer?

#1 von Klaus Pfahl , 09.12.2011 12:31

Viele Jahre herrschten bundesweit diese Vorurteile: Kleingärtner sind spießig, und in den Parzellen ist alles streng reglementiert. Kleingärten und Kleingärtnervereine, denen für gewöhnlich eher ein kleinbürgerlich-spießiger Ruf vorauseilt, sind bunter als gedacht und sowohl lebendige Orte für Bürgerengagement als auch Orte für die Integration von Migrantinnen und Migranten.

Nicht so in Hamburg-Norderstedt:

Zitat
Nach Informationen der Lübecker-Nachrichten sollten die 70 anwesenden Mitglieder in geheimer Wahl darüber entscheiden, ob sie die Vergabe der Parzellen an Migranten begrenzen wollen– auf „12,6 Prozent, 19 Prozent oder 27 Prozent“. Ergebnis: 41 Mitglieder stimmten für die niedrigste Quote. Nur elf wollten gar keine Zugangsbegrenzung. Sogar eine Verteilung nach Herkunftsgebieten ist vorgesehen: So soll etwa ein Viertel der „Migranten-Parzellen“ an Türken und Araber vergeben werden



http://www.ln-online.de/lokales/luebeck/...nder-aussperren


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

Honoré de Balzac

 
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RE: Sind Kleingärtner Spießer?

#2 von Clara ( gelöscht ) , 09.12.2011 14:10

Zitat
Nicht so in Hamburg-Norderstedt:



Da empfehle ich doch einmal Max Frisch zu lesen: "Biedermann und Brandstifter"
- wenn man dort des Lesens überhaupt mächtig sein sollte -


Viele verlieren den Verstand deshalb nicht, weil sie keinen haben.

- Arthur Schopenhauer -

Clara
zuletzt bearbeitet 09.12.2011 16:31 | Top

RE: Sind Kleingärtner Spießer?

#3 von Anjin-San ( gelöscht ) , 10.12.2011 10:16

Ich verstehe den Vereinsvorstand nicht, zu glauben, so eine Aktion ungestraft durch ziehen
zu können, ist schon sehr naiv. Das der Bevölkerung „Multi-Kulti-Zwang“ gesetzlich
verordnet worden ist, sollte sich doch auch in Kleingartenvereinen herum gesprochen haben.

Wäre es stattdessen um Quoten von kinderreichen Großfamilien ohne Migrationhintergründe
gegangen, hätte kein Hahn gekräht.

M. E. ist es ja auch so, das Mitglieder von z. B. türkischen Kulturvereinen unter sich bleiben
wollen. Kann mir nicht vorstellen das ein „Fritze Müller“ dort Chancen auf eine
Mitgliedschaft hätte.

Das die Kirche ihren vermoderten moralischen Zeigefinger hebt, in dem sie meint das
wäre „menschenverachtend“ finde ich lächerlich.


Beste Grüße vom Anjin-San

Anjin-San

RE: Sind Kleingärtner Spießer?

#4 von GG146 , 10.12.2011 15:13

Zitat von Anjin-San
Wäre es stattdessen um Quoten von kinderreichen Großfamilien ohne Migrationhintergründe gegangen, hätte kein Hahn gekräht.



Oder überhaupt kinderreiche Großfamilien ohne jeden Bezug zu deren ethnischer Herkunft in der Satzung. Das wäre zwar unsympathisch, aber rechtlich unproblematisch. Mit ihrer jetzigen Lösung werden sie auf die Nase fallen. Das habe ich heute auf dem GG-Aktiv - Forum dazu geschrieben:

Zitat
Die haben sich auch verdammt dämlich angestellt, dass sie eine Quote klar definierten. Vielleicht lässt jetzt eine Frauenbeauftragte mal die Verfassungsmäßigkeit von Quoten überprüfen! Anscheinend gibt es gute und schlechte Quoten.



Soweit Quoten vom Staat vorgegeben werden, müssen sie uneingeschränkt den Anforderungen des Art. 3 GG genügen. Frauenquoten im öffentlichen Dienst z. B. tun das nach der herrschenden Meinung regelmäßig, weil nach dem allgemeinen Gleichheitssatz Gleiches gleich und Ungleiches dem Wesen der Ungleichheit entsprechend ungleich behandelt werden muss. Soweit Frauen im Berufsleben offensichtlich benachteiligt sind, ist ihre Situation der von Männern ungleich und eine Quote gleicht das nur aus.

Komplizierter ist es im Verhältnis von Privatpersonen untereinander, da wirken Grundrechte nur ausnahmsweise unmittelbar (Der Art. 3 z. B. im Arbeitsrecht), ansonsten gelten für Private untereinander die einfachen Gesetze, die wiederum im Sinne des Grundgesetzes gestaltet sind.

Im vorliegenden Fall des Kleingarten - Vereins greift das AGG, durch das europarechtliche Bestimmungen umgesetzt wurden:

Zitat
(2) Eine Benachteiligung aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft ist darüber hinaus auch bei der Begründung, Durchführung und Beendigung sonstiger zivilrechtlicher Schuldverhältnisse im Sinne des § 2 Abs. 1 Nr. 5 bis 8 unzulässig.



http://www.gesetze-im-internet.de/agg/__19.html

Die Ablehnung eines Vertragspartners ist immer rechtswidrig, wenn sie mit dessen Rasse oder ethnischen Herkunft begründet wird. Sobald dieser Verein sich also bei der Ablehnung eines Interessenten für eine Parzelle auf die kritisierte Bestimmung seiner Satzung beruft, macht er sich schadensersatzpflichtig. Das kann ein paar Tausender kosten, wenn der Interessent Klage erhebt.

 
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RE: Sind Kleingärtner Spießer?

#5 von Klaus Pfahl , 10.12.2011 17:46

Wir hatten auch jahrelang einen Pachtschrebergarten, an dem wir früher viel Freude hatten. Mangels Nachfrage und Nachwuchs wurden viele Gärten an Migranten verpachtet. Damit hatten wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Jugoslawen, Russen und Türken hatten ihre Gärten genau so liebevoll gepflegt und nahmen am Vereinsleben teil wie wir. Besonders habe ich die Russen in guter Erinnerung. Bei den Vereinsfesten kam bei denen richtig Stimmung auf.
Die Hamburger sind für ihre Spießigkeit zumindest bei den Kleingärten bekannt. Zugespitzt formuliert müssen alle Holzhäuser und Gartenzwerge gleich aussehen.


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

Honoré de Balzac

 
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Kleingärtner nehmen Migrantenquote zurück

#6 von Klaus Pfahl , 17.12.2011 13:30

Der im Eingangsbeitrag betroffene Kleingartenverein hat mit großem Bedauern seine Quotenentscheidung zurückgezogen und sich entschuldigt.

http://www.welt.de/politik/deutschland/a...te-zurueck.html

Wollen wir hoffen, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen werden.


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
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RE: Kleingärtner nehmen Migrantenquote zurück

#7 von Clara ( gelöscht ) , 17.12.2011 14:32

[quote="Blitz"]Der im Eingangsbeitrag betroffene Kleingartenverein hat mit großem Bedauern seine Quotenentscheidung zurückgezogen und sich entschuldigt.

Ach nee ..war der Druck der Öffentlichkeit doch zu groß ?? Trotzdem bleiben es kleingeistige Kleingärtner,
die diese " Quoteninitiative " begonnen haben ..


Viele verlieren den Verstand deshalb nicht, weil sie keinen haben.

- Arthur Schopenhauer -

Clara

RE: Kleingärtner nehmen Migrantenquote zurück

#8 von Laura , 17.12.2011 19:45

Die Netzwerke im Web haben inzwischen einen ungeheuren Einfluss. Deshalb sind sie in den meisten totalitären Staaten abgeschaltet.


Heute ist der 1. Tag von dem Rest meines Lebens.

 
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