Das unendliche Begräbnis

#1 von Waldveilchen , 30.10.2011 17:18

Der virtuelle Friedhof breitet sich im Internet aus.
Für viele Menschen, die niemanden zum Reden haben, ist dies sicher eine gute Sache.

Zitat
Totentrauer war lange stumm. Das Internet schenkt den Betroffenen eine neue Sprache und einen Raum für das Gedenken.

Es geht offenbar nicht in erster Linie um eine Verlagerung der Trauer aus dem realen Raum in die „Ortlosigkeit der Datenströme“, wie Macho es nennt. Sondern eher um eine Rückkehr zum Wort – und in den Schoß des Kollektivs. Die Kirchen sind dabei selten die erste Anlaufstelle. Die katholische Kirche hat auf katholisch.de gar keinen interaktiven Bereich; auf evangelisch.de wurde erst 2009 ein kleines Trauerforum installiert. In den Jahren davor waren es vor allem Bestattungsunternehmen, die Pionierarbeit leisteten und Gesprächsforen ins Netz stellten. Die Kundschaft nahm das Angebot dankbar an.

Und so sind ausgerechnet beim intimen Thema Trauer die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit durchlässig geworden. Niemanden scheint das zu stören, im Gegenteil. Das ausführliche Beschreiben des eigenen Schmerzes wird von den Betroffenen als wohltuend empfunden. Nicht, weil man nach Aufmerksamkeit heischt, sondern weil man ein therapeutisches Ventil sucht. Weil man Zeugnis ablegen und manchmal auch Schuld zuweisen will. Das Netz bietet Raum für all diese narrativen Aneignungen des Schicksalsschlags. Es funktioniert sogar als imaginäres Gegenüber: Viele Angehörige schreiben Briefe oder Nachrichten an die Verstorbenen, oft mit direkter Anrede.



http://www.tagesspiegel.de/kultur/das-un...html?p5769842=2

 
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RE: Das unendliche Begräbnis

#2 von Klaus Pfahl , 30.10.2011 17:27

Bei uns war der Pastor früher immer sofort zur Stelle, wenn ein besonderes Ereignis die Familie betraf. Dann konnte vieles aufgearbeitet werden. Das Internet bietet genug Möglichkeiten sich in solchen Fällen mit Anderen auszutauschen, nur ist das alles zu anonym. Foren sind vielleicht eine gute Alternative. Im Laufe der Zeit lernt man sich doch etwas näher kennen.


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

Honoré de Balzac

 
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RE: Das unendliche Begräbnis

#3 von GG146 , 30.10.2011 19:15

Was ist denn mit den Menschen, die nach ihrem Tod irgendwann vergessen sein wollen? Haben die kein Recht darauf?

 
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RE: Das unendliche Begräbnis

#4 von Waldveilchen , 30.10.2011 20:08

Gibt es Menschen, die möchten, dass man sie vergisst? Daran hab ich noch nie gedacht.

 
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RE: Das unendliche Begräbnis

#5 von Laura , 30.10.2011 20:13

Das glaube ich auch nicht. Der Mensch ist ein soziales Wesen und möchte beachtet werden.


Heute ist der 1. Tag von dem Rest meines Lebens.

 
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RE: Das unendliche Begräbnis

#6 von kritisches_Auge , 30.10.2011 20:53

Man sagt, dass der Mensch ein soziales Wesen sei doch von dieser Regel gibt
es einige Ausnahmen.


 
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