Rasserein und Mischling

#1 von Vingilot ( gelöscht ) , 08.04.2010 14:41

Es ist schon etliche Jahre her, da wurde die Katze meiner Eltern unheilbar krank.
Nach mehreren Besuchen beim Tierarzt war es klar, dass jeder weitere Tag für das Tier eine Qual sein würde. Für meine alten Eltern war es ein schlimmer Verlust. Dreizehn Jahre hatte das Tier bei ihnen gelebt.
Weil beide Eltern es aber nicht übers Herz brachten, musste ich die letzte Fahrt mit dem Schnurretiger unternehmen. Eine schlimme Pflicht.
Schon während ich beim Tierarzt wartete, wusste ich, dass dieser Weg noch nicht zu Ende war. Gegen diese Art von Trauer hilft nämlich nur eines: Nicht einen Tag zögern und sofort eine neue Katze anschaffen!

So blätterte ich in den gelben Seiten und wurde fündig. Züchter boten die edelsten Rassekatzen feil, Siam, Perser, Kartäuser...
Einen Züchter besuchte ich nach telefonischer Vereinbarung. Der zeigte mir einen Wurf Perserkatzen, langhaarig, flauschig, rasserein. Ich hockte mich vor den Kätzchen nieder und versuchte sie zu locken. Kein Tier ließ sich herab, zu mir zu kommen. Das war ungewöhnlich, weil mir normalerweise alle Katzen zulaufen.
Noch ungewöhnlicher war es, dass keine auf den zuckenden Wollfaden reagierte, der für kleine Miezen unwiderstehlich sein sollte.
Sie betrachteten mich alle nur teilnahmslos, glotzten mich an. Selbst als ich ihnen direkt in die Augen sah, eine Herausforderung, die keine gesunde Katze kalt lassen darf, glotzen sie weiter.
Denselben stumpfsinnigen Blick bemerkte ich bei der preisgekrönten Katzenmama.
Über den Kaufpreis erkundigte ich mich nicht mehr. Ich fuhr weiter zum Tierheim.

Im Zimmer der verwaisten Katzen setzte ich mich auf den Boden und musterte die verkommene Bande von Strauchdieben, die da lässig auf alten Polstermöbeln herumlungerte. Ein prachtvoller roter Kater erweckte meine Aufmerksamkeit. Ein Minilöwe, ein richtiger Garfield. Der sollte es sein!
Doch bevor ich ihn locken konnte, hinkte eine andere Mieze miauend auf mich zu. Es war mit Abstand der gewöhnlichste, hässlichste Hauskater im Raum. Sein Fell war schäbig und dünn. Dünn war das ganze Tier. Ein Hinterbein schien verletzt. Der Schwanz war wohl irgendwann einmal gebrochen worden, denn er war seltsam gekrümmt. Der Kater stank nach Durchfall und Desinfektionsmittel. Man kann sich kaum einen krasseren Gegenpart zu einer edlen Rassekatze vorstellen als diesen jämmerlichen Maunzer.

Und doch hat er mich erwählt, er mich, nicht ich ihn.
Er stellte mir beide Pfoten auf die Brust, dann auf die Schultern.
Ja, er hat mich regelrecht umarmt und nicht mehr losgelassen. Als ich ihn hochhob, rieb er seinen Kopf gegen meine Wange. Ich konnte gar nicht anders, musste ihn mitnehmen.

Dieser schäbige, kranke Mischling, dieser Asylant entpuppte sich als wahrer Glücksgriff.
Nicht nur meine Eltern verliebten sich sofort in das Tier, sondern ausnahmslos alle, die ihn trafen. Dank guter Pflege genas er in kurzer Zeit. Er präsentierte sich als eleganter, schneller Jäger, der vor Kraft strotzte. Allen Menschen begegnete er mit Offenheit. Kein Besucher entging der schnurrenden, Köpfchen reibenden Begrüßung. Meinen Vater begleitete er wie ein Hund auf langen Spaziergängen. Als er schließlich in angemessenem Katzenalter starb, weinte die ganze Familie.

Seitdem muss ich stets lächeln, wenn mir jemand von wunderschönen Rassekatzen mit Stammbaum vorschwärmt. Nicht zum letzten Mal bin ich ihnen begegnet, den bedauernswerten, plüschigen Wohnungstigern mit dem stumpfen Blick.
Wenn ich eine Katze besorge, was oft geschieht, weil Freunde und Verwandte deshalb zu mir kommen, dann weiß ich genau, wo ich zu suchen habe und wo ich suchen muss.

Haltet Ausschau nach den unscheinbarsten heimatlosen Mischlingen, die euch erwählen,
in Tierheimen!
Denn dort sind sie erfahrungsgemäß gehäuft zu Hause,
das Herz und die Intelligenz.


Wir wandern unter Bäumen weit vom Meer,
jedoch das Sternenlicht,
des Westens, wir vergessen's nicht.

Vingilot

RE: Rasserein und Mischling

#2 von Schimmerlos ( gelöscht ) , 08.04.2010 15:01

Meine Katzen Vingilot ,waren alle arme zugelaufene Teufel.
Sie entwickelten sich bei mir prächtig und waren dankbar bis ins höhere Katzenalter.
Sie sind schon alle über die Regenbogenbrücke gegangen.
Ich habe ihnen ein wunderschönes Katzenleben bereitet.
Sie waren alle Freigänger.
Ich könnte dutzende Geschichten erzählen, habe sogar manches aufgeschrieben.
Ich besuche keine Tierheime mehr, denn es würde mir das Herz brechen.

Schimmerlos

RE: Rasserein und Mischling

#3 von Klaus Pfahl , 09.04.2010 18:39

Mit Katzen hatte ich auch viele Erlebnisse. Mir ist aber immer noch nicht klar geworden, warum Katzen ihre Beute (meistens Mäuse) nicht auffressen sondern Frauchen oder Herrchen vor die Tür legen, als ob sie damit Anerkennung erlangen wollen.

Gruß
Blitz


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

Honoré de Balzac

 
Klaus Pfahl
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RE: Rasserein und Mischling

#4 von Schimmerlos ( gelöscht ) , 09.04.2010 20:52

Katzen wollen auch zur Ernährung der Familie beitragen, das ist Katzenkennern wohlbekannt.

Wenn Katzen Freigang haben, gehen sie dabei auch ihrer spannendsten Beschäftigung nach, dem Mäusefang. Sie sind nun einmal leidenschaftliche Jäger und von Natur aus ideal auf die Mäusejagd vorbereitet: Unendliche Geduld beim Belauern, scharfe Sinne beim Aufspüren, spitze Zähne und Krallen beim Erhaschen. Wenn die Maus aber gefangen ist, gibt es für die Katze ein Problem. Nicht immer ist eine Hauskatze nämlich so hungrig, dass die Maus sofort getötet und verzehrt wird. Da keimt in der klugen Katze ein Gedanke: Frauchen ist zwar lieb und nett, leider aber unfähig zum Mäusefang. Also wird sie sich bestimmt über eine noch lebende Maus freuen (?).

Deshalb kommen einige Katzen ins Wohnzimmer und legen ihren Menschen stolz eine Maus auf den Teppich. Wie soll man sich da verhalten? Es kränkt eine Katze ungemein, wenn das hochherzige Geschenk mit spitzen Schreien in den Garten gescheucht wird. Das korrekte Vorgehen: Die Maus mit Dankesworten entgegennehmen und später hinter dem Rücken der Katze diskret nach draußen entsorgen. Dies natürlich nur, wenn die Maus noch intakt, also nicht verletzt ist. Sonst müsste man sie schmerzlos töten. Abgewöhnen kann man Katzen die Mäusejagd an sich nicht! Von einer Tierfreundin mit mehreren Katzen erfuhr ich ein „Rezept“, wie man diese unerwünschten Geschenke vermeiden kann. Sie nimmt die Maus in Empfang und schenkt sie demonstrativ einer anderen Katze. Das kränkt die Jägerin, und sie wird es in Zukunft hoffentlich bleiben lassen.

Machen Sie sich klar, Katzen sind Jäger – wer das nicht akzeptieren will, wird mit einem Kaninchen besser zurechtkommen!

http://www.zzf.de/tips/artikel/171.html

Schimmerlos

RE: Rasserein und Mischling

#5 von Klaus Pfahl , 09.04.2010 22:01

Lieber Schimmerlos,
das war eine plausible Erklärung. Auf dem Bauernhof hatten wir mehrere Katzen. Die waren aber nicht so eng auf Frauchen oder Herrchen fixiert wie die Stubentiger.

Hauskatzen sollen ja ein ähnliches Sozialverhalten wie Löwen haben.

Eine interessante Katzenseite:

http://www.katzensuchdienst.de/Katze/Verhalten.html

Gruß
Blitz


Die Erinnerungen verschönern das Leben,
aber das Vergessen allein macht es erträglich.

Honoré de Balzac

 
Klaus Pfahl
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zuletzt bearbeitet 09.04.2010 | Top

RE: Rasserein und Mischling

#6 von Schimmerlos ( gelöscht ) , 09.04.2010 22:49

Ich kenne mich mit Katzen recht gut aus.
Katzen sind auch wenn sie kastriert sind perfekte Mäusejäger.
Wobei man heute die Verhütung von Nachwuchs beiderlei Geschlechtes Kastration nennt.

Die Bauern begreifen nicht, dass eine kastrierte Katze genauso gut Mäuse fängt, wie eine Nichtkastrierte.
Sie produzieren Nachwuchs bis zur Tierquälerei.
Das Grausamste ist wohl, wenn jemand glaubt, dass Hauskatzen alleine von Mäusen leben können.
Ja Wildkatzen, die auch andere Nahrungsquellen haben, aber keine Hauskatzen.
Früher oder später gehen sie an Krankheiten zugrunde.
Von unverdünnter Milch bekommen Katzen Durchfall.

Was die Bauern anbelangt, so haben sie sich bis auf die Biobauern zu Tierquälern entwickelt und der Staat subventioniert dies noch.

Aber diese Dinge sind bekannt.
Ich bin tierlieb und mein Herz tut mir weh, wenn ich sehe oder lese, wie Tiere gequält werden.

Vor allem sollten junge Menschen dagegen aufstehen und den Aufstand proben.
Sie tun es für den Weiterbestand dieser schönen Erde.

Schimmerlos

   

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