Warum werden Waffen gesegnet?

#1 von Scheinheilige ( gelöscht ) , 26.02.2011 18:29

Die Bitte um überirdische Hilfe in einem Kampf ist uralt und scheint ebenso zutiefst menschlich zu sein. Früher glaubete man an einen gerechten Krieg und betete zu Gott um den gerechten Sieg. Noch heute gibt es in vielen Armeen Priester und Bischöfe. Macht das noch Sinn?


Scheinheilige

RE: Warum werden Waffen gesegnet?

#2 von stummer ( gelöscht ) , 26.02.2011 22:28

Hallo -


die Frage nach der Existenzberechtigung der Militärseelsorge bejahe ich.

Zur angefragten Thematik des „Waffensegens” könnte - aus römisch-katholischer Sicht - vielleicht folgendes Zitat auch u. a. etwas Auskunft geben:

Zitat
Schwertweihe, Waffensegen.
Bis zum Vaticanum II enthielt das römische Pontifikale außer der „Ritterweihe” (Teil 1: De benedictione novi militis) je ein Formular zur Segnung von Waffen, des Schwertes und einer Kriegsfahne (Teil 2).

Diese schon lange obsolet gewordenen, seit dem 11. Jahrhundert nachweisbaren Benediktionen gehören in die mittelalterliche Welt des christlichen Rittertums.
Sie rechnen mit einem defensiven Gebrauch der gesegneten Waffe (Schutz von Witwen, Waisen, Verteidigung von Kirchen und Klöstern gegen „Feinde des Kreuzes Christi“) und bitten, daß ihr Träger unverletzt und siegreich bleibt.

Das im 13. Jahrhundert voll ausgebildete Ritual wurde in der Neuzeit von den Päpsten gebraucht, wenn sie verdienten christlichen Heerführern (Prinz Eugen, Karl von Lothringen) einen geweihten Degen überreichten.

Einen Segen neuzeitlicher Waffen kennen die liturgischen Bücher nicht.

Nach der Ächtung des Krieges durch das Vaticanum II (Gaudium et spes n. 80-92) ist ein Waffensegen undenkbar.


[ Heinz, Andreas:
Artikel „Schwertweihe, Waffensegen“
in:
Lexikon für Theologie und Kirche (LThK)
Band 9 San bis Thomas
Verlag Herder Freiburg Basel Wien 2000, 2006;
(Sonderausgabe 2006 der 3. Auflage 1993 – 2001);
Spalte 350
Die Absatzformatierung wurde von mir abgeändert; die Hervorhebungen in roter Schrift stammen von mir (die dort geäußerte Ablehnung der Waffensegnung in der heutigen Zeit teile ich).
Die Hinweiszeichen des Originals wurden nicht angeführt, die Abkürzungen - mit Ausnahme des n. - indes ausgeschrieben und die alte Rechtschreibung des Originals beibehalten. ]


Mit freundlichen Grüßen

stummer


Ideologien sind die Rauschgifte nicht nur des Volkes.
Ein gefährliches Vorurteil? Zu meinen, ich hätte keine Vorurteile!
„Was Paul über Peter sagt, sagt mehr über Paul als über Peter“ (Spinoza sinngemäß).
Traduttore traditore! / S = k logW

stummer
zuletzt bearbeitet 26.02.2011 23:36 | Top

RE: Warum werden Waffen gesegnet?

#3 von Alter Friese ( gelöscht ) , 01.03.2011 18:25

Also von Waffen segnen habe ich noch nie etwas gelesen. Katholische Feldpriester und protestantische Feldpastoren haben eine wichtige humanitäre und soziale Aufgabe. Sie kümmern sich um die Ausrichtung des Gottesdienstes sowie um die Betreuung von Verwundeten und Kriegsgefangenen. Sie leisten Sterbenden Beistand, spenden den letzten Segen, und veranlassen - soweit möglich - eine ordnungsgemäße Beerdigung und benachrichtigten die Hinterbliebenen.


Lever dood as Slav

Alter Friese

RE: Warum werden Waffen gesegnet?

#4 von stummer ( gelöscht ) , 01.03.2011 19:23

Hallo, Alter Friese –


Deine Haltung zur Militär-Seelsorge teile ich.

Jener LThK-Artikel stellt lediglich dar:
die historische Entwicklung,
die heutige Positionierung (Nein zur Segnung von Waffen dar).

Es stellt sich die Frage:

„Wurden Waffen in beiden Weltkriegen (von römisch-katholischen) Priestern gesegnet, gab es also einen Waffensegen?“

Diese Frage wurde und wird unterschiedlich beurteilt.
Mein Vater beantwortete bzgl. WK II diese Frage mit Ja und mein Großvater hinsichtlich WK I entgegnete ebenfalls: Ja.
Der ehemalige Militärbischof Mixa indes meinte: Nein.

Hinsichtlich der widersprüchlichen Antworten betrachte man, sollte Interesse bestehen, zum Beispiel den Anhang.


Mit freundlichen Grüßen

stummer


Anhang

Zitat
„Auch heute kommt es vor, dass Militärgeistliche gefragt werden, wie oft sie denn schon Waffen gesegnet hätten. Die dann gegebene Antwort, eine solche Segnung sei heute unzulässig und schon in beiden Weltkriegen katholischerseits nicht vorgenommen worden, ist zwar richtig, trifft aber wohl nicht den Kern des in der Frage Angesprochenen. "Den
Segen geben" meint wohl eher, den militärischen Gewalteinsatz ethisch zu billigen oder gar gutzuheißen, ihn als gutes Mittel zu einem hohen Ziel, ja vielleicht sogar als Ort der menschlichen Bewährung oder gar des heroischen religiösen Opfers zu preisen. Ja, es ist wahr, all dieses hat es etwa im Ersten Weltkrieg im großen Umfang gegeben. Es wurde nicht nur um den Sieg der eigenen Fahnen gebetet, sondern die gerechte Sache wurde für jede Seite von den Christen und ihren geistlichen Hirten fest vertreten - in Frankreich, in Italien, in der Habsburger Monarchie mit ihren vielen Völkern und auch in Deutschland.
Vielleicht gerade in unserem Land, weil die katholische Minderheit nach dem Kulturkampf nicht als ultramontanistisches, trojanisches Pferd hinter den Söhnen des "deutschen Luthers" zurückstehen wollte. Die Zeugnisse der moralischen und religiösen Überhöhung nationalistischer Kriegspropaganda beider Kirchen sind zahlreich. Die Feldseelsorger hingegen, die ja oft unmittelbar der Wirklichkeit des modernen Krieges ausgesetzt waren, waren in diesem Chor noch eher diejenigen, die sich zurückhielten - und schwiegen.“



Quelle (bei Interesse bitte anklicken)


Damaliger Militärbischof Walter Mixa (2001)

http://www.irf.ac.at/dfs/query/query.php...ang=d&doclang=d

Man vergleiche hingegen:

Michael von Faulhaber als Bischof von Speyer:
1. Predigt zum „Ausmarsch unter dem Königsbanner“ am 9. August 1914 im Dom zu Speyer

„Das Evangelium hat für den Krieg nicht nur einen Waffenpaß. Es hat für ihn sogar einen Waffensegen.“

Zumindest wird der Möglichkeit der Waffensegnung nicht widersprochen - um es so zu formulieren.
Es sei auch noch erwähnt, dass ich - hinsichtlich jener Frage - von mehreren katholischen Theologinnen und Theologen widersprüchliche Antworten erhielt.

Folgende Stellungnahme bzgl. einer Fremdrecherche kann deshalb Widerspruch erfahren:

Zitat
m Dritten Reich hat es ... keine Waffensegnungen durch die Kirche gegeben. Gesegnet wurden nur die Menschen.



Quelle:
http://www.moesgen.de/pmoegk.htm


Ideologien sind die Rauschgifte nicht nur des Volkes.
Ein gefährliches Vorurteil? Zu meinen, ich hätte keine Vorurteile!
„Was Paul über Peter sagt, sagt mehr über Paul als über Peter“ (Spinoza sinngemäß).
Traduttore traditore! / S = k logW

stummer
zuletzt bearbeitet 02.03.2011 12:19 | Top

   

Exorzismus und seine Folgen
Hat der Islam in seiner heutigen Form Zukunft?

  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag
Javascript Uhr
Aktueller Kalender
Xobor Forum Software von Xobor