RE: Jade Weser Port

#31 von Klaus Pfahl , 10.03.2012 12:23

Als ich heute Morgen beim Frühstück die Zeitung aufschlug, kam mir fast der Kaffee wieder hoch. Wie ich mit Entsetzen lesen musste, sind bei der Spundwand des Containerterminals mittlerweile 130 Schlösser der Spundwand aufgebrochen. Der dahinter aufgefüllte Sand und Ton rieselt so nach und nach durch die Öffnungen der Kaianlage. Es ist zu befürchten, dass der ganze Untergrund der Kaje instabil und für die neuen Containerbrücken im schlimmsten Fall nicht mehr tragfähig ist.

http://www.wzonline.de/index.php?id=1050...74dcc1e1ba66840




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RE: Jade Weser Port

#32 von Popeya , 11.03.2012 18:18

Welche der oben angegebenen Typen sind denn wohl verwendet worden? Einige sehen ja nicht wirklich stabil aus...


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RE: Jade Weser Port

#33 von Klaus Pfahl , 11.03.2012 18:21

Das ist mir leider nicht bekannt. Ich hoffe, wir werden es noch erfahren. In der Zeitung steht immer verharmlosend von Löchern. Wenn die Spundwandverbindungen gesprengt sind entstehen lange Risse. Jetzt will man außen vor mit Beton dichtkleistern. Das ist Pfusch hoch drei.


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RE: Jade Weser Port

#34 von Popeya , 11.03.2012 18:39

Habe mal ein wenig gegoogelt, das scheint irgendwie kein so ganz neues Problem zu sein:

http://www.wsv.de/wsd-nw/service/pdf/hef...pundwaenden.pdf


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RE: Jade Weser Port

#35 von Klaus Pfahl , 11.03.2012 18:50

Schäden durch Korrosion entstehen über einen längeren Zeitraum (interessanter Link!!). In diesem Fall reichte die Stabilität aber einfacht nicht mehr aus, weil vor der Spundwand die Liegewanne für tiefer gehende Schiffe ausgebaggert wurde. Dadurch erhöhte sich der Druck der aufgespühlten Sand- und Lehmmassen hinter der Spundwand derartig, dass die Schlösser gesprengt wurden. Ich möchte nicht in der Haut des Statikers stecken, der die Stabilität berechnet hatte.


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#36 von Popeya , 11.03.2012 18:58

Ich habe ja keine Ahnung von der Materie (immerhin hab ich schon herausgefunden, dass "Kaje" dasselbe ist wie "Kai" ). Aber dass es da "Pfusch am Bau" gegeben haben muss, ist selbst für einen Laien wie mich klar wie dicke Kloßbrühe. Es ist wirklich ein Jammer, dass solche vermeidbaren Fehler dann später mit einem Riesenaufwand und hohen Kosten korrigiert werden müssen.


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RE: Jade Weser Port

#37 von Laura , 11.03.2012 19:35

Zitat von Blitz
Gestern legte der chinesische Spezialfrachter "Zhen Hua 23" an den vorgesehen Liegeplatz unter dem Beifall vieler Zuschauer um 11:00 Uhr pünktlich an. Wenn die restlichen Containerbrücken ihrer Bestimmung übergeben werden, ist Wilhelmshaven für die nächste und übernachste Generation von Containerschiffen gerüstet. Diese neuen Brücken können ein Schiff mit 25 Containerreihen in kurzer Zeit löschen.


Dieses und weitere Bilder:
http://www.wzonline.de/fotos.html



Konnten diese riesigen Brücken nicht in Deutschland gebaut werden? Ich frage mich, was der Transport von Shanghai nach Wilhelmshaven gekostet hat.


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RE: Jade Weser Port

#38 von Klaus Pfahl , 11.03.2012 22:12

Wir haben sogar in Wilhelmshaven eine Firma, die sich früher Krupp-Ardelt nannte und für ihre großen Brücken- und Stahlbauprojekte weltberühmt war. Heute nennt sich die Firma Grove. Die hätten vor Ort die Containerbrücken bauen können. Warum Grove bei der Ausschreibung nicht den Zuschlag bekam, entzieht sich meiner Kenntnis.

http://www.nwzonline.de/aufschwung/Artik...l-der-Welt.html


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RE: Jade Weser Port

#39 von Popeya , 12.03.2012 20:44

Könnte man nicht mal bei EUROGATE nachfragen?

http://www.eurogate.de/live/eg_news_de/s...46&_language=de


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RE: Jade Weser Port

#40 von Klaus Pfahl , 14.03.2012 18:51

Habe ich. Bin einmal auf die Antwort gespannt, falls ich überhaupt eine bekomme.


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#41 von Klaus Pfahl , 05.04.2012 18:09

Gestern erfuhr ich, dass alle Risse in der Spundwand geschlossen sind. Jetzt fehlt nur noch die amtliche Abnahme, dann kann der Probebetrieb beginnen.
Hamburg will im gleichen Zug die Elbe vertiefen, damit größere Containerschiffe die Elbe aufwärts fahren können. Nur wird das dem Hafen wenig bringen, denn immerhin beträgt die Revierfahrt von der Elbemündung bis hinauf nach Hamburg 8 Stunden, währen die Schiffe nach Wilhelmshaven nur 2 Stunden bis zum Terminal benötigen. Das ist hin und zurück eine Zeitersparnis von 12 Stunden.
In 24 Stunden verbraucht ein Schiff dieser Größenordnung ca 400 Tonnen Treibstoff (1 Tonne kostet 100 $).


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#42 von Laura , 05.04.2012 23:03

Nur hat Hamburg den Vorteil, dass viele Container mit Binnenschiffe bis in die Tschechei transportiert werden können. Euer Jadebusen hat keinen Anschluss an die Kanäle. Dafür wird die Autobahn Richtung Oldenburg total überlastet werden.


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RE: Jade Weser Port

#43 von Klaus Pfahl , 19.04.2012 23:33

Es hat sich eine neue dramatische Situation ergeben:

Die neue Kaje wird nicht abgenommen, weil die Schäden durch die inzwischen auf 150 angestiegenen Schlosssprengungen so erheblich sind, dass nicht gewährleistet werden kann, dass die großen Containerbrücken auf stabilen Gleisen stehen. Ein von Eurogate beauftragter Gutachter hält das geplante Sanierungskonzept für die kaputte Spundwand für ungeeignet. Die nächsten vier Containerbrücken sind von Shanghai aus unterwegs und werden Mitte Mai erwartet.

Geplant ist jetzt eine zweite Spundwand vor die beschädigte zu rammen. Diese Arbeiten werden mindestens ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Unklar ist, wer für die Haftung bei dem "Pfusch am Bau" verantwortlich ist.

http://www.wzonline.de/index.php?id=621&tx_ttnews[tt_news]=177590&cHash=b0490b85e92b64dbb5db76bf8fca6a82


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RE: Jade Weser Port

#44 von Laura , 23.04.2012 20:18

Dann kann ja die Elbe vertieft werden, damit wir Hamburger einspringen können. Bis der Hafen in Wilhelmshaven fertig ist, werden noch Jahre vergehen. Mit der Kaje hat Euer Hafenbetreiber sich wirklich eine Laus in den Pelz gesetzt. Was passiert denn, wenn die Baufirma pleite ist, und wer kommt dann für die Schäden auf?


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#45 von Klaus Pfahl , 23.04.2012 20:27

Da macht ihr Hamburger Euch mal keine Gedanken. Die entstandenen Schäden an der Spundwand stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten des ganzen Projektes. Vielleicht hätte "Hoch-Tief" den Zuschlag bekommen müssen. Die hätten fehlerfrei gearbeitet. Ich bin zuversichtlich, dass sie die Risse bis zur Inbetriebnahme dicht bekommen. Dann laufen Schiffe unseren Hafen an, die im Hamburger Hafen nicht einmal drehen können.



Und so viel ich weiß, boykottiert Maersk sowieso den Hamburger Hafen.


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